In diesem Blog geht es ausschließlich um Literatur oder, einfacher gesagt, um Bücher. Ihr findet hier Buchempfehlungen, meine Rezensionen zu Büchern und e-Books, die ich gelesen habe, und Hinweise auf Downloads von e-Books. Da ein Blog durch Kommentare am Leben gehalten wird, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diese Funktion fleißig nutzt.

Donnerstag, 13. November 2014

"Gesucht: Traummann mit Ente" von Alice Golding

Alice Golding ist das Pseudonym von Ivonne Keller, unter dem sie "intelligentes ChickLit" schreibt. Ich durfte Ivonne im letzten Jahr auf der Frankfurter Buchmesse kennenlernen. Sie ist nicht nur eine super sympathische hübsche Frau, sondern auch eine sehr gute Schriftstellerin. Ihr Buch "Hirngespenster" habe ich Euch bereits 2013 empfohlen. Inzwischen ist es auch als Taschenbuch erhältlich, z.B. bei amazon oder in der Galerie Kaufhof. Doch nun weg von den Hirngespenstern und hin zum Traummann mit Ente.

Das Cover finde ich wunderschön!!!

Valerie kommt eines Tages auf die Idee, einen Roman zu schreiben. Über ihre naive Herangehensweise ans Bücherschreiben habe ich mich köstlich amüsiert. Ein bisschen fand ich mich selbst in dieser Valerie wieder, denn ähnlich blauäugig fing ich auch mit dem Schreiben an. Nur habe ich nicht gleich dem Mann, in dem ich mich verguckt hatte, großspurig erzählt, ich sei Schriftstellerin und hätte schon diverse Werke unter Pseudonym veröffentlicht. Diese "klitzekleine" Lüge von Valerie zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und bringt sie immer wieder in komische Situationen, zumindest aus Sicht des Lesers. Manchmal habe ich wirklich schallend gelacht. Für Valerie reiht sich eher eine Katastrophe an die nächste, dabei möchte sie doch nur ihrem Traummann näher kommen, den sie nicht nur wegen seiner Ente so liebenswert findet. 

Alice Golding beschreibt ihre Figuren mit einem humorvollen Blick aufs Wesentliche. Dass diese dabei gern Klischees bedienen, ist liebenswert genretypisch und sorgt für zusätzliche Heiterkeit. Die Nachbarin mit Wurzeln und Akzent vom Balkan, die KEINE Psychiaterin ist. Die Öko-Schreibgruppe, die sich im Schneckentempo der Fertigstellung ihrer ersten Werke nähert. Valeries nervende, dauernörgelnde Mutter oder die strahlend schöne, blutjunge Kim, die scheinbar jeden Mann haben kann. Schön, dass fast alle Klischees (bis auf das der Schreibgruppe, wenn ich mich richtig erinnere) im Laufe der Story aufgebrochen werden. Es gibt eben doch noch andere Seiten, bei fast jeder Figur.

Gefreut hat mich, dass die angehende Schriftstellerin Valerie dann doch keinen "Platzhalter-Roman" auf die Leserschaft losließ. DAS hätte ich ihr nämlich nicht verziehen. So aber freue ich mich SEHR auf die fürs nächste Jahr angekündigte Fortsetzung und sage DANKE, liebe Alice ;-) für ein beschwingtes Lesewochenende.

Das E-Book erhaltet Ihr für 2,99 €, das Taschenbuch für 9,90 € bei amazon --> "Gesucht: Traummann mit Ente" von Alice Golding 

Und hier kommt noch ein besonderes "Leckerli":
Unter allen, die hier im Blog unter diesem Beitrag kommentieren, verlose ich eine wunderschöne Postkarte vom Traummann mit Ente mit persönlichen Grüßen von mir. Na, wem darf ich schreiben? 

Montag, 3. November 2014

Exploration Capri Teil 3 "Zerstörung" von Christian Klemkow

Teil 3 der SciFi-Saga "Exploration Capri" beginnt genau da, wo uns der zweite Teil mit einem Cliffhanger zurückgelassen hatte. Exploration Capri, Teil 2 "Verschollen" Die Situation scheint hoffnungslos. Die Erde, die anderen Planeten, ja selbst die Sonne - alle sind schwer beschädigt. Die Erde ist von einem Eispanzer überzogen, der sogar die Ozeane gefrieren ließ. Die hart erkämpfte Rückkehr nach Hause hat sich überlebende Teil der Explorer-Crew anders vorgestellt. 

Mir gefällt, wie der Autor es schafft, seine Helden immer wieder in scheinbar ausweglose Situationen zu bringen und dann doch ein Fünkchen Hoffnung aufblitzen zu lassen. Christian Klemkow erschafft eine komplett neue Welt, lüftet Geheimnisse, die tief im Inneren der Erde oder des Mondes verborgen sein könnten und erzählt mit logischer Konsequenz, wie es (rückblickend aus der fernen Zukunft) zu der Katastrophe im Sonnensystem kam, der scheinbar alles Leben zum Opfer fiel. Die einzelnen Mitglieder der Crew ergeben zusammen ein buntes Spektrum menschlicher Verhaltensweisen und bleiben dabei im Großen und Ganzen ihren Rollen, die sie bereits in Teil 1 und 2 innehatten, treu. Es gibt keine Superhelden und keine Superschurken, sondern nur Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen. Die Einen wachsen sie über sich hinaus, andere müssen sich geschlagen geben. Der alles vergessen machende Kryoschlaf scheint selbst aus Sicht des Lesers eine verlockende Alternative zur grausamen Realität darzustellen. Doch wie die wahren Helden der Geschichte wollte ich beim Lesen die Hoffnung nicht aufgeben, glaubte an die Möglichkeit der Rettung, so unwahrscheinlich sie auch schien. Die Handlung nahm mich so gefangen, dass auch ich auf meinen Schlaf (nicht Kryoschlaf ;-) ) verzichtete, um zu erfahren, wie es weitergeht. Viele Szenen sind auch hier wieder filmreif beschrieben und man kann nicht anders, als atemlos mitzufiebern.


Wie Teil 3 ausgeht, werde ich natürlich nicht verraten. Nur so viel: Ich freue mich wahnsinnig auf Teil 4! Und auf die Veröffentlichung des Printbuchs von "Exploration Capri", damit die SciFi-Reihe im Regal vollständig wird: Asimov und Snegow, dazwischen Klemkow ... ;-)

Teil 1 gibt es momantan zum Sonderpreis von 0,99 € als E-Book - zum risikolosen Reinlesen ;-)
Teil 2 kostet regulär 3,99 €
Teil 3 ist ebenfalls für 3,99 € erhältlich. --> Exploration Capri, Teil 3 "Zerstörung"




Dienstag, 30. September 2014

Bernhard Hoëcker "Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers"

Das Buch trägt den Untertitel "Mit Gëocaching zurück zur Natur". Wäre es nicht von einem Comedian geschrieben worden, könnte man einen mit erhobenem Zeigefinger daherkommenden Ratgeber vermuten. Tatsächlich ist es ein sehr witziges Buch, in dem der Autor von seinen ersten Erfahrungen als Geocacher erzählt - auf typische Comedy-Art eben. Anfängerfehler, die mir genauso passiert sind und über die ich mich wahnsinnig geärgert habe, entlockten mir hier ein Schmunzeln. Ich merkte, ich bin nicht die Einzige, die wie Pik7 durch den Wald getapst ist und den Cache vor lauter Bäumen nicht gesehen hat. Oder wichtiges Equipment im Auto liegen ließ, den Stift im Wald verlor usw. Oder die anderen auf die Nerven geht, weil Muggel nur begrenztes Verständnis dafür haben, dass erwachsene Menschen in vermoderten Baumstümpfen, unter Steinen oder in Felsspalten nach Tupperdosen suchen. 

Ich empfehle das Buch allen, die selbst Geocacher sind - zum Nicken und sagen "hihi, so ging es mir auch". Wer selbst Muggel ist, aber aktive Geocacher kennt und sich von deren Eigenheiten genervt fühlt, sollte das Buch lieber nicht lesen, denn er könnte plötzlich Verständnis aufbringen und - ACHTUNG - von diesem Virus angesteckt werden und demnächst selbst mit einem GPS-Gerät durch die Welt laufen. ;-) 


Ich gebe zu, ich mag die Sprache des Autors. Schachtelsätze, an denen andere Rezensenten sich gestört haben, entlocken mir ein Lächeln, weil ich dann immer das verschmitzte Gesicht des Comedians vor mir sehe. 

Einziges Manko des Buches ist die fehlende Angabe der Codes bei den beschriebenen Caches und ein übersichtliches Verzeichnis. Man bekommt beim Lesen schon Lust, einige davon selbst aufzusuchen ... Allerdings verstehe ich, dass die Caches lieber geheim gehalten werden, wenn man auf der Geocaching-Website zum Beispiel bei "Schlumpfenland" so etwas lesen muss:

"Liebe Leser des Buchs "Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers",
an dieser Stelle befand sich einst der Cache "Schlumpfenland" genau so, wie er in Bernhards Buch abgedruckt ist. Knapp über ein Jahr lang war er zu finden. Gelegt wurde er, wie ihr wisst, extra für das Buch. Leider begannen nach Veröffentlichung desselben die Probleme. Der Cache wurde immer wieder Opfer sinnloser Zerstörungswut. Die Wartung des Caches ähnelte bald einer Sisyphosarbeit. Kaum hatte man etwas repariert, da wurde es auch schon wieder zerdeppert. Also im Grunde ein sinnloses Unterfangen. Bernhard hat verständlicherweise nicht die Zeit sich um den Cache zu kümmern, weshalb ich das übernommen habe (wie im Buch beschrieben) ..."

Das Buch gibt es als Taschenbuch und als E-Book jeweils für 9,99 €. Logisch, dass ich mir das Taschenbuch geholt habe, oder? ;-)

--> Bernhard Hoëcker "Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers"

Fazit: 5*****

"Hexendreimaldrei" von Claudia Toman

Olivia begegnet auf der Hochzeit des Mannes, den sie eigentlich heiraten wollte, aber nicht bekommen hat, einem "Feerich" und darf einen Wunsch äußern. Prompt platzt die Hochzeit, denn der Prinz ist plötzlich ein kleiner grüner Frosch ... 

Claudia Tomans Märchen vom Froschkönig, frei interpretiert und in die heutige Zeit verlegt, sprüht vor witzigen Ideen. Der Shakespeare-Pakt zum Beispiel täte mir auch gut. ;-) 



Auf zwei zeitlichen Ebenen erfahren wir abwechselnd, was Olivia in der Gegenwart unternimmt, um ihren unbedacht geäußerten Wunsch wieder rückgängig zu machen und wie sie in der Vergangenheit ihren Prinzen kennengelernt hat. Absicht oder Zufall - ich sah bei der Beschreibung des Prinzen immer Philipp B. vor mir, besonders in der Schafwollweste ;-) Olivias Kampf um die Rückverwandlung ihres Prinzen und wie sie sich dabei mit der europäischen Hexen-Vereinigung anlegt, ist der abenteuerliche Teil der Geschichte. Die Rückblenden auf die Begegnungen mit dem "Prinzen" sind eher etwas fürs Herz. Beides gefiel mir. Schön gelöst auch die Übergänge von Kapitel zu Kapitel. Der erste Satz des neuen Kapitels scheint an den letzten des vorangegangenen anzuschließen, obwohl es eine andere zeitlich Ebene ist. 

Ich mag Claudias Art zu erzählen. Sie ist so bunt, mit einer poetischen, magischen Sicht auf die kleinen Dinge. Fast könnte man glauben, alles hätte sich wirklich so zugetragen - so logisch sind die Ereignisse erzählt, in denen auch die Brüder Grimm, die "echte Froschkönigsprinzessin", Goethes Faust und Shakespeare eine Rolle spielen.

Fazit:  5***** :-)

"Hexendreimaldrei" ist der erste Teil einer Trilogie. Teil 2 "Jagdzeit" und Teil 3 "Goldprinz" stehen nun auch auf meiner Wunschliste! 

Die Bücher sind jeweils als e-Book für 4,99 € und als Taschenbuch für 7,99 bis 9,99 € erhältlich, z.B. hier:
--> Claudia Toman Hexendreimaldrei, Jagdzeit und Goldprinz

Dienstag, 2. September 2014

"Königstöchter" von Carla Berling

Nachdem mir "Sonntags Tod" bereits sehr gut gefallen hatte, MUSSTE ich den zweiten Ira-Wittekind-Krimi unbedingt lesen. Es ging gleich heftig los - so einen Tod wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Liebe Carla Berling, wie kommt man auf eine solche Idee? Manchmal ist automatisches Kopfkino etwas, das ich lieber abschalten würde. Die Handlung entwickelt sich krimitypisch. Erste Verdächtigungen fallen, noch jemand stirbt. Und mittendrin Ira Wittekind, die eigentlich für ihre Zeitung nur die Geschichte hinter den Schlagzeilen sucht. Man merkt beim Lesen, dass die Autorin selbst jahrelang für Zeitungen recherchiert und berichtet hat. Ira Wittekind wirkt einerseits routiniert, kennt sich aus. Anderseits fällt es ihr schwer, sich von den grausamen Ereignissen zu distanzieren, denen sie nach und nach auf die Spur kommt. Das macht die Protagonistin so sympathisch. Ich selbst habe mich eins ums andere Mal geschüttelt. Wie abartig und krank können Menschen doch sein! Gut, dass die Autorin uns Details erspart. Es ist auch so schlimm genug.

Gefallen hat mir, dass alte Bekannte aus dem ersten Teil wieder in Erscheinung traten. Andy, die beiden alten Tanten und die Königspudeldame. Iras Mutter bleibt eine Karikatur, würde meiner Meinung nach besser in "Jesses Maria" passen. Ich finde sie ein wenig überzeichnet, zu negativ. Aber solche Menschen soll es ja geben. Die Polizei agiert diesmal für meine Begriffe ein wenig zu unauffällig im Hintergrund. Wenigstens eine kleine "klischeehafte" Reiberei zwischen Presse und Kripo hätte ich mir gewünscht.

Aber all das ist "Jammern auf hohem Niveau". Der Krimi ist gut durchkonstruiert, es wird Spannung aufgebaut und gehalten. Bis zum Schluss tappte ich im Dunkeln, wer die Morde begangen haben könnte. Die Lösung ist für mich nur teilweise logisch, weil meiner Meinung nach die Mittel, also die Morde und das damit einhergehende Leid für die Hinterbliebenen in keinem Verhältnis zu einer rein theoretischen Gefahr stehen. (Ich hoffe, ich habe das jetzt spoilerfrei verschlüsselt formuliert) 

Was mich gefühlsmäßig wirklich stört, ist der Widerspruch zwischen realer Welt (Bad Oeynhausen) und fiktiver Handlung, die dieser realen Welt angedichtet wird. Auch wenn im Vorwort des Buches betont wird, dass die Handlung, das Palais im Park und selbst Hof Eskendor frei erfunden sind, bleibt für mich ein schaler Nachgeschmack zurück. Dass die Innenstadt damals evakuiert und zum Sperrgebiet erklärt wurde, ist Wirklichkeit. Der Gedanke drängt sich auf: "Wer weiß, ob da nicht wirklich auch, in einer Villa ... " und damit auch ein leiser Verdacht gegen damals angesehene Bürger. 

Ich vergebe 4 von 5 Sternen und bedanke mich für das wochenendliche Lesevergnügen. Meine Kritik ist sicher auch der eigenen Lernbereitschaft geschuldet. Früher habe ich unkritischer gelesen, heute stoße ich mich wahrscheinlich an Details, die sonst kaum jemand als störend empfindet. Auf jeden Fall freue mich auf weitere Ira-Wittekind-Krimis.

"Königstöchter" von Carl Berling gibt es als E-Book zur Zeit im Angebot für 0,99 €. Das Taschenbuch kostet 9,90 €. Beide Ausgaben gibt es hier:
--> "Königstöchter" von Carla Berling

Dienstag, 19. August 2014

"Bösartiges Frühstück" Anthologie aus dem Amrun-Verlag

Von wegen: "Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages!" Manchmal sollte man lieber darauf verzichten, denn die Folgen könnten tödlich sein, wie die Kurzgeschichten dieser Anthologie eindrucksvoll beweisen. Besonders Eheleute scheinen Gefahr zu laufen, den kulinarischen Start in den Tag nicht zu überleben. Aber es gibt, zum Glück, auch noch andere Horror-Szenarien in dieser Sammlung, was das Lesen äußerst abwechslungsreich gestaltet. Bisher war Nussnougatcreme für mich ein absolut leckerer, aber ansonsten völlig harmloser Brotaufstrich. Wenn man mal von der Gefahr der allmählichen Hüftverbreiterung absieht. Aber das diese süße braune Creme von einem "bösen Geist" besessen sein könnte, wird mir beim nächsten Einkauf zu denken geben. Warum meine Kinder nicht gern ihr Frühstücksbrot selbst geschmiert haben, weiß ich nun auch. OMG ... Besonders gut gefallen hat mir die Story "Die wichtigste Mahlzeit des Tages", eine düstere Dystopie, die eine ganz andere Atmosphäre erschafft als die typische Morgens-am-Küchentisch-Szenerie. Von Jo Jansen ist auch eine Geschichte dabei, die einige von Euch vielleicht schon aus "Nach(t)Klang" kennen: "Ruhestand". 


Alles in allem eine interessante Sammlung verschiedenster Geschichten, die eins gemeinsam haben: das "ungesunde" Frühstück für mindestens eine der beteiligten Personen. Zu Müsli, Nussnougatcreme, Kaffee und Omas Konfitüre stelle ich noch ein Tütchen Kommata auf den Tisch ;-) Das ist aber auch schon der einzige Stolperstein in dieser kleinen, feinen Auswahl. Ich empfehle, die Geschichten wohldosiert einzunehmen, am besten eine täglich, vor dem Frühstück. Und ein kleiner Tipp: Seid nett zu Eurem Ehepartner. Besonders, wenn er oder sie auch dieses Buch in den Händen hatte. 

Das E-Book kostet 3,99 € und ist u.a. hier erhältlich:
--> "Bösartiges Frühstück" Anthologie

Das Taschenbuch zum Preis von 11,90 € soll Anfang September verfügbar sein. Bei Fragen oder dem Wunsch nach einem signierten Exemplar genügt eine Nachricht an mich. :-) 

Die Anthologie wurde herausgegeben von Jürgen Eglseer und enthält Geschichten von:
Arthur Gordon Wolf, Anja Slauf, Bernhard Giersche, Britta Ahrens, Carmen Weinand, Denise Mildes, Jo Jansen, Kathrin Böttcher, Lisanne Surborg, Manuela Obermeier, Marc Andre Pahl, Marc Hartkamp, Moe Teratos, Fred Ink, Demetria Cornfield, Regina Schleheck, Rico Gehrke, Sarah Seyed Abbasi, Norman Slight, Sönke Hansen, Piper Marou, Stefanie Lahme, Thomas Williams, Tim Svart und Torsten Exter.

Mittwoch, 13. August 2014

"Das Mädchen, das Geschichten fängt" von Victoria Schwab

Klappentext, Cover und Titel versprechen eine poetische Geschichte. Ebenso der Text, mit dem der Heyne Verlag das Buch auf Facebook bewirbt und mich zum Kauf animierte. Der amerikanische Originaltitel "The Archived" kommt der Wahrheit näher. Nicht Geschichten müssen von Mackenzie, genannt Mac, eingefangen werden. Sondern Abbilder verstorbener Menschen, die archiviert, d.h. in den ewigen Schlaf geschickt wurden und nun in der riesigen Bibliothek aufbewahrt werden. Sie sind weder Mensch noch Geschichte, sondern irgendetwas dazwischen. Zumindest tragen sie die Erinnerungen des Menschen, der sie einst waren, in sich. Doch sie fliegen nicht auf leichten Flügeln davon, wie man beim Anblick des Covers meinen könnte. Sondern sie werden getrieben von Angst und Verzweiflung, die ganz schnell in Wut umschlägt, wenn sie "entgleiten". 



Sehr gut gefallen hat mir die anschauliche Beschreibung der Schauplätze. Das altehrwürdige Coronado, das mit vielen Details noch an seine Glanzzeiten als Hotel erinnert. Die düsteren Narrows und das geheimnisvolle Archiv. Dass offen mit dem Thema Tod umgegangen, Trauer zugelassen wird, ist ein weiterer positiver Aspekt. Das Archiv scheint ein Ort zu sein, der Hoffnung birgt, da die Toten ja nicht wirklich fort sind, nur archiviert ... 

Die Grund-Idee des Buches mit Archiv, Wächtern, Chroniken und Narrows, den Schlüsseln, die verborgene Türen öffnen ist - ja wie nun? - irgendwie süß. Die Hauptfiguren sind Teenager und genau diese scheinen mir die Zielgruppe dieses Buches zu sein. Denn es geht auch um Erwachsenwerden, Vertrauen, Verantwortung, Fehler, vorsichtige Küsse und einfach nur "M." sein. All das wird aus der Sicht einer 16-jährigen Schülerin erzählt, die ihre Sommerferien auf ungewöhnliche Art verbringt, indem sie entflohene Chroniken fängt und zurückbringt. Dabei ist immer noch der Schmerz um Ben, Macs kleinen Bruder, der durch einen tragischen Autounfall starb. Dieser Schmerz mach Mac angreifbar, doch das bemerkt sie erst, als es beinahe zu spät ist. 

Der Schluss des Buches hat mich überhaupt nicht überzeugt. Zu unlogisch, irgendwie aufgesetzt. Alles in allem ein nettes Fantasy-buch für (weibliche) Teenager. Mehr nicht. 

Ich vergebe 3*** von 5 möglichen Sternen.

Das Taschenbuch kostet 13,99 € und ist in jeder Buchhandlung Eures Vertrauens erhältlich. Das E-Book kostet stolze 10,99 €, weshalb ich mich für das Taschenbuch entschieden habe. 

Donnerstag, 7. August 2014

"Exploration Capri, Teil 2 - Verschollen" von Christian Klemkow

Der zweite Teil von Exploration Capri beginnt da, wo der uns der erste Teil atemlos mit einem gemeinen Cliffhanger zurückließ. Natürlich ist die Explorer, das modernste bis dahin von den Menschen gebaute Raumschiff, im Mai 2093 nicht explodiert. Die Besatzung erwacht aus dem Kryoschlaf und muss feststellen, dass sie nicht nur völlig vom Kurs abgekommen sind, sondern das Schiff auch schwer beschädigt wurde. Erste Todesopfer sind zu beklagen, weitere werden ihnen folgen, denn eine neue Bedrohung lauert draußen im All ...

Nachdem ich bereits den ersten Teil von Exploration Capri verschlungen hatte, war ich hocherfreut, endlich Teil 2 lesen zu dürfen. Wollte ich doch erfahren, wie es mit Susannah, Bone, Steven, den Marines und dem schwer beschädigten Raumschiff weitergeht.  »Verschollen« spielt sich fast ausschließlich an Bord der Explorer ab, die mit ihrer dünnen Hülle einen trügerischen Schutz vor der tödlichen Kälte des Weltalls bietet. Christian Klemkow nimmt uns mit auf eine spannende Reise in die Tiefen des Weltalls, die noch nie ein Mensch gesehen hat. Wir werden Zeuge menschlicher und technischer Tragödien, aufkeimender Hoffnung und erneuter Enttäuschung. All das bietet uns der Autor in seinem gewohnt frischen Klemkow-Stil. Wobei diesmal noch mehr Informationen über die technischen und kosmischen Zusammenhänge eingestreut sind. Einerseits tragen diese zum Verständnis der Geschichte bei. Andererseits ist mir persönlich das so vermittelte Wissen etwas zu umfangreich, da es ein wenig die Spannung aus der Geschichte nimmt. Dies macht der Autor allerdings wieder gut, indem er uns Zeuge der nächsten unerwarteten Ereignisse werden lässt. So kam es, dass ich gerade bei den letzten Kapiteln das Buch gar nicht mehr beiseite legen wollte. Zum Schluss dann eine Riesenüberraschung und - gemein! Gemein! Gemein! - wieder so ein Cliffhanger wie im ersten Teil. Und nun? Sitze ich hier, kaue auf den Fingernägeln und warte auf Teil 3 ...

Meiner Meinung nach reiht auch der zweite Teil sich würdig ein ins Regal der SciFi-Klassiker (runnig gag: »Asimov, Snegow, Klemkow«) und bietet ebenso wie Teil 1 genug Potential für eine Verfilmung. Sprachlich ausgefeilt und mit viel Sinn fürs Detail baut der Autor vor unserem geistigen Auge eine Zukunft auf, die von unserem Alltag weit entfernt ist. ... Aber auch dort wird gelebt, geliebt, gestritten, gebangt, gehofft und resigniert. Die Vielschichtigkeit der Charaktere, die einander im Inneren der Explorer nicht aus dem Wege gehen können, wird sehr schön herausgearbeitet. Sie beleben die Geschichte, bauen zusätzlich zur äußeren Dramatik der Vorgänge im Weltall eine innere Spannung auf. Dadurch ist das Buch nicht nur etwas für SciFi-Fans, sondern auch für Leser, die zwischenmenschliche Beziehungen und die ihnen innenwohnende Dramatik lieben. 

Sehr praktisch ist wieder das Figurenverzeichnis am Ende des Buches. Falls man doch einmal vergessen haben sollte, wer wer ist und welche Funktion er bzw. sie an Bord innehat. Das Cover gefällt mir sehr gut. Es wirkt düster genug, um die Bedrohlichkeit der Lage auszudrücken, in der die "Explorer" und ihre Besatzung sich befinden. Gleichzeitig ist da noch Licht, das Hoffnung verheißt.



Einziger Kritikpunkt ist der oben angesprochene Umfang des vermittelten Hintergrundwissens. Mir ist das zu viel, denn ich sehe die Gefahr des Spannungsverlustes. Eventuell wird der un-geneigte Leser einfach weiterblättern ... Dafür würde ich gern einen halben Stern abziehen. Da dies nicht möglich ist und ich den Autor motivieren möchte, ganz schnell Teil 3 fertig zu schreiben, damit ich meine Fingernägel schonen kann, gibt es aufgerundet satte 5 Sterne. 

"Exploration Capri, Teil 2 - Verschollen" ist zur Zeit nur als E-Book erhältlich, z.B. hier:



Mittwoch, 16. Juli 2014

"Eine kleine Handvoll Glück" von Daniela Normann

Ich las die erste Geschichte und fühlte mich verzaubert. Wie schön, wenn die Liebe eines Kindes wieder zusammenführt, was durch Leid getrennt wurde. Eine tröstliche, schöne Geschichte. Dann las ich die anderen Geschichten. Jede einzelne soll Hoffnung machen, denn alle Protagonisten haben eines gemeinsam: Sie haben einen geliebten Menschen verloren. Entweder durch den Tod oder, weil die Liebe des Anderen nicht mehr stark genug war und er ging. Daniela Normanns Geschichten steuern alle auf ein Happy End zu, was eben jenen Trost spenden soll, den bereits die erste Geschichte in sich trägt.

ABER: Glück ist mehr, als wieder einen Partner an seiner Seite zu haben. (Auch wenn das ein großes Glück ist!) Mir ist das Muster dieser kleinen Erzählungen zu ähnlich. Denn sie reduzieren Glück auf Mann + Frau und Unglück auf Mann ohne Frau / Frau ohne Mann. Warum muss am Ende immer der "Märchenprinz" auftauchen? Besonders die zweite Geschichte zeigt doch, dass es viel mehr im Leben gibt, was uns glücklich sein lässt. Ela empfindet tiefes Glück, als sie ihrer Tochter am Strand beim Spielen zusieht, den warmen Sand unter ihrem Badetuch spürt.
Meiner Meinung nach geht die Autorin in ihrer Suche nach dem verlorenen Glück zu weit. Es muss am Ende ein ganzer Sack voll sein, was der Handvoll die Bedeutung, der einzelnen Geschichte ihren Zauber nimmt. Schade.

Meine Bewertung 3*** von 5

Das Buch hat ca. 90 Seiten und ist als E-Book für 2,99 € erhältlich.


--> "Eine kleine Handvoll Glück" von Daniela Normann


Donnerstag, 10. Juli 2014

Luna- Abenteuer Singlebörse

"Luna", so nennt sich die 50+ Lady, nachdem sie mit "Old Lady" ungewollt falsche Erwartungen geweckt hatte. Diese und weitere Erfahrungen macht die sympathische Heldin, die sich wagemutig in die Fluten einer GRATIS-Singelbörse im Internet gestürzt hat. Witzig fand ich die beinahe kindliche Entdeckerfreude, mit der sie Begriffe wie TV, DOM, lol und andere erst einmal googelte, um zu wissen, worauf sie sich im Chat einließ. Die Typisierung der Profile ist genial. Überrascht war ich allerdings, dass der Typ 1 mit Abstand am häufigsten vorkam ...


Ein bisschen gewöhnungsbedürftig fand ich die Textaufteilung. Das liegt aber daran, dass hier die Eingabemasken der Singlebörse abgebildet wurden. Muss man sich halt durchscrollen.

Ein Buch, das mich am Ende eines nicht so schönen Tages lächeln ließ. Ja, ich gebe es zu, ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. (Wer nicht?) Aber Luna desillusioniert auf so herzerfrischende Weise, dass man am liebsten vom Lesesofa springen, zum Liebsten oder dem schon ewig angetrauten Ehemann laufen und ihm einen dicken Kuss geben möchte: "Danke, dass es dich gibt und ich mich nicht mit den Typen in den Singlebörsen herumplagen muss!" DARUM ist das Buch sowohl Singles als auch Gebundenen zu empfehlen. ;-)

Das Buch ist als E-Book für nur 0,99 € z.B. hier erhältlich:

--> Luna Abenteuer Singlebörse 2.0" von Martina Jansen  5*****

1. Anmerkung: Sorry, diese Rezension hatte ich bereits am 9.4.2014 geschrieben. Aus irgendeinem Grund blieb sie aber unter "Entwürfe" in meinem Blog hängen.
2. Anmerkung: Die Namensgleichheit ist reiner Zufall! Schließlich heißt Martina wirklich so. Bei mir ist es nur ein Pseudonym. ;-) 

"Als Gott schlief" von Jennifer B. Wind

Das Buch beginnt wie ein ganz normaler Thriller / Krimi. Jutta, die ermittelnde Beamtin, ist direkt betroffen, denn ihr Mann wurde niedergestochen. Zeitsprung. Eine Leiche wird gefunden. Hier muss ich der Autorin für ihre krasse Fantasie Anerkennung aussprechen. Zuerst dachte ich - meine Güte, wie kommt man nur auf so was? Im weiteren Verlauf des Thrillers wird klar, dass die Perversität des Mörders eine Ursache hat, die viele  Jahre zurückliegt. Und das ist für mich das wirklich Schreckliche an der Geschichte: was damals geschah, hat Jennifer B. Wind sich nicht ausgedacht! Es ist wirklich passiert, an anderem Ort zwar, doch an vielen Orten. Wenn einem das klar wird, ist man fast geneigt, dem Mörder Entkommen zu wünschen.


Besonders gefallen haben mir die Figuren in dem Buch. Sie sind sehr facettenreich, haben ihr guten und schlechten Seiten. Jutta ist psychisch schwer angeschlagen, doch sie kämpft. Als sie zusammenbricht, hat sie Freunde, die ihr helfen. Die tiefe Menschlichkeit, die darin zum Ausdruck kommt, steht in krassem Gegensatz zur Unmenschlichkeit, die wie immer wieder in den Rückblenden lesen und deren beinahe logische Konsequenz die bestialischen Morde sind. Doch auch die Opfer sind nicht alle gleich. Ich möchte nicht zuviel verraten, aber gerade die unterschiedliche Art der Täterschaft in der Vergangenheit macht mich nachdenklich. Es ist einfach, den zu verurteilen, der etwas Grausames getan hat. Doch was ist mit denen, die davon wissen und es zulassen? Sind sie nicht genauso schuldig? Weil sie es hätten verhindern können und nichts getan haben? Wie kann ein Mensch Gutes wollen und Böses zulassen? Und mit dieser Schuld weiterleben? Wie können Menschen, die Kenntnis davon erhalten haben, schweigen, "um des lieben Friedens willen"?

Die Autorin gibt die Antwort darauf, indem sie jeden der Beteiligten unterschiedlich mit seiner Schuld umgehen lässt. Nur eine Frage muss sich jeder Leser selbst beantworten: Was würde ich tun, wenn ich Kenntnis von derart schrecklichen Taten bekäme?

Die Frage, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, ist schwieriger zu beantworten: Schlief Gott wirklich? Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort, denn das ist die "Gretchenfrage".

Trotz all der Düsternis der Ereignisse gibt es auch Szenen und Menschen, die Hoffnung machen, dass die Welt doch nicht so schlecht ist. Juttas Kollegen und ihre Hilfsbereitschaft (s.o.). Den Bücherfreund in Berlin (OT: in der Wohnung dürfte man mich gern einquartieren) Oder auch die Andeutung einer Romanze, die einer der Gründe ist, warum ich hoffe, dass es einen zweiten Teil geben wird. Und natürlich darf in einem Buch von J.B.W. eine Orchidee nicht fehlen ;-)

Das Buch ist (noch) nur als E-Book für 6,99 € erhältlich, z.B. hier, aber auch bei anderen Online-Händlern:


"Von Möpsen und Rosinen" von Miriam Pharo

Die Geschichten von Lucio Verdict habe ich mit Vergnügen begonnen zu lesen. Lucio wirkt auf mich wie ein Ermittler der alten Schule, in die Zukunft versetzt, wo er sich all der technischen Raffinessen des Jahres 2066 sehr gut zu bedienen weiß. Ein schlauer Hund, der als Ex-Spion schon einiges erlebt hat, was man in den Hanseapolis-Teilen erfahren kann.

Sehr gut gefällt mir, mit wie viel Liebe zum Detail Miriam Pharao die Welt der Zukunft, speziell München bzw. die Isarauen, gestaltet. Richtig gruselig ist ja Regency, von dem ich hoffe, dass es etwas Ähnliches nie geben wird. Bin mir aber nicht sicher. Denn den Menschen eine schöne bunte Welt vorzugaukeln, auch wenn sich dahinter nur grauer Schrott befindet, funktioniert ja bereits jetzt ganz gut. Den Nanny-Robot hätte ich dagegen selbst gern gehabt, vor ein paar Jahren. ;-) Lobend erwähnen möchte ich, dass all diese Zukunftsgeräte, - Techniken und -Entwicklungen so beschrieben werden, dass ich als Leser immer wieder dachte: okay, könnte so ähnlich kommen. An manchen Stellen aber auch: Hoffentlich nicht! Hilfreich ist auf jeden Fall das Glossar am Ende des Buches.

Dass die verschiedenen Episoden sowohl Krimi, SciFi und Humor in sich vereinen, gefällt mir und erinnert mich an Timothy Truckle von Gert Prokop ("Wer stiehlt schon Unterschenkel" und "Der Samenbankraub" - Leseempfehlung! -siehe unten) Figuren wie Jimmy der Mops scheinen Spaß daran zu haben, die Geschichte immer wieder absurde Wendungen nehmen zu lassen. Brüggell, der Polizist, müht sich dagegen, die Ordnung aufrechtzuerhalten bzw. wiederherzustellen. Die Wirtin Alex mit ihrer Kneipe ist so etwas wie ein Ruhepol. Hier kann nicht nur Lucio abhängen, auch der Leser kann einmal durchatmen, denn eine Bar ist trotz der seltsamen Mixgetränke auch im Jahr 2066 noch eine Bar. Manche Dinge werden sich hoffentlich nie ändern. ;-)  Trotzdem driftete mir die Handlung manchmal etwas zu sehr ins Absurde, gerade bei den letzten Fällen. Hier hätte ich mir mehr »Ordnung« gewünscht, nach dem Muster: Episode besteht aus Problem + Witz + Irrungen und Wirrungen und am Ende der Episode kommt die Lösung. Das Ende mit der Dame in der Klinik ... versöhnte mich dann wieder ein wenig mit dem Buch. Richtig so!!! Und der letzte Satz als Cliffhanger ist eine feine Idee

Insgesamt vergebe ich 4****

Das Buch gibt es E-Book für 3,99 €, das Taschenbuch für 9,90 € z.B. hier:


In diesem Zusammenhang möchte ich Euch die "uralten" SciFi-Krimis von Gert Prokop ans Herz legen. Wenn Ihr Lucio Verdict toll findet, werdet Ihr auch Timothy Truckle lieben! 

Der Doppelband ist vorbestellbar, wie Ihr seht. Einzeln sind die Teile nur antiquarisch erhältlich. Glückspilze haben sie seit Jahrzehnten im Bücherregal stehen ;-)


Samstag, 5. Juli 2014

"Exploration Capri" von Christian Klemkow

Was für ein Buch! Der Autor schreibt so, dass man das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu sein. Was sich bei den Katastrophen, die im Buch beschrieben werden, nicht unbedingt gut anfühlt. Aber eine Verfilmung könnte ich mir sehr gut vorstellen. Raumschiffe, Raumstationen, der Kälteschlaf ... alles wird so anschaulich und, wo nötig, logisch erklärt, beschrieben, dass ich mich immer wieder an die Klassiker der SciFi-Literatur erinnert fühle.


Sprachlich ist das Buch absolut top. Der Erzählstil passt zur Geschichte, Dialoge lockern die Handlung auf und verpacken teilweise auch sehr geschickt die notwendigen Erklärungen. Da fragt z.B. ein weiblicher Marine einen jungen Wissenschaftler, der von ihr fasziniert scheint, und die technische Antwort kommt mit leichtem Flirtcharakter daher. Sehr gut finde ich, dass es am Ende des Buches ein Charakterverzeichnis gibt. Spätestens, wenn mit Teil 2 und 3 dass Werk umfangreicher wird, ein sehr nützliches und leserfreundliches Hilfsmittel. 

Durch die Verknüpfung persönlicher Schicksale der Figuren mit den globalen Ereignissen, werde ich als Leser auch emotional in die Geschichte hineingezogen. Die Figuren haben ihre starken und schwachen Seiten, was sie lebensecht und liebenswert erscheinen lässt. Der Admiral ist sozusagen das Bindeglied zwischen den Ereignissen 2033 und 2093. Dazu kommt die ganz spezielle Was-wäre-wenn-Klemkow-Logik. Der Autor beschreibt die wirtschaftliche, politische und klimatische Entwicklung der Erde in den nächsten 80 Jahren, anknüpfend an reale Ereignisse wie den Kampf um die Rohstoffe, 9/11, ethische Grenzen der medizinischen Forschung, die "Zeitbombe" Vesuv ... Selbst die Ukraine-Krise passt ins ziemlich düstere Bild der Zukunft, das hier trotz allen technischen Fortschritts gemalt wird. 

Ich hoffe, der Autor hat Unrecht und die Zukunft kommt anders und besser! Stellenweise fand ich diese Beschreibungen etwas zu ausführlich. Andererseits war es auch gut, zwischendurch Zeit zum Luftholen zu finden, denn der Anfang und das Ende des Buches waren so spannend, dass ich kaum zum Atmen kam. Den armen Leser dann mit einem Cliff-Hanger zurückzulassen, ist schon ein bisschen gemein. ;-) 

Nun bin ich  sehr gespannt auf Teil 2. Und ich bin der Meinung: 

Zwischen A wie Asimov und S wie Snegow sollte auf jeden Fall K wie Klemkow im SciFi-Regal stehen!

5***** und eindeutige Leseempfehlung!

Das E-Book kostet 3,99 € ist ist z.B. hier erhältlich:

--> "Exploration Capri" von Christian Klemkow

Mittwoch, 9. April 2014

"Drabbles" von Katharina Kraemer

Ich liebe Drabbles, diese pointierten einhundert Worte. Darum habe ich hocherfreut das Büchlein gratis erworben. Viele Geschichten brachten mich mit ihrem unerwarteten Ende tatsächlich zum Schmunzeln. Einige, das muss ich zugeben, habe ich nicht verstanden. (z.B. Applaus«) Bei den bitterbösen blieb immer dann ein unangenehmer Nachgeschmack, wenn es Unschuldige traf (z.B. »Schnee«, »Pflaumenbaum«). Insgesamt ist es der Autorin gelungen, mich mit ihren kurzen Geschichten zu fesseln. Auf jeder Seite neu freute ich mich darauf, am Ende der einhundert Worte die Pointe lesen und »aha« sagen zu dürfen. 
Herzlichen Dank für dieses Lesevergnügen. Ich geh dann auch mal drabbeln ...



Schnellsein lohnt sich! Noch gibt es die Drabbles bei amazon für 0,00 €. Bald für 0,99 €!



Montag, 7. April 2014

"Mit meinem Welpen die Welt entdecken" von Karin Joachim

Der Titel des Buches ist hervorragend gewählt - »Mit meinem Welpen die Welt entdecken«. Da fühle ich mich angesprochen und aufgerufen, die Welt mit den Augen meines Welpen zu sehen, das große Abenteuer der kleinen Dinge zu erkennen, die jeder neue aufregende Tag bereithält. Bevor der Welpe etwas lernen kann, muss (logischerweise) sein Mensch Bescheid wissen.


Nach einer kurzen Einführung darüber, wie ein Hund über seine Sinne die Umwelt wahrnimmt und wie er »denkt«, geht es direkt zu den Situationen, die wir mit unserem Welpen erleben. Dafür ist das Buch in drei große Abschnitte gegliedert, die die jeweiligen Umweltabenteuer beschreiben: daheim, unterwegs und außergewöhnlicher Natur.

Mir gefällt, dass man Schritt für Schritt mit dem Welpen üben kann, wie er sich im neuen Zuhause eingewöhnt, wie man ihm Vertrauen vermittelt usw. Die Leine wird als gemeinsames Band beschrieben, durch die der Mensch dem Hund Sicherheit gibt. Ein schönes Bild! Positives Verhalten wird belohnt, unerwünschte Verhaltensweise unterbunden oder ignoriert. Karin Joachim hat ein sehr schönes Lernbuch, ein »must-have« für Welpenbesitzer geschrieben. Auf einfühlsame Weise erklärt sie die verschiedenen Situationen, wie sie auf den Welpen wirken, was diese oder jene Reaktion des Menschen bei ihm auslöst und wie sich das gewünschte Lernziel erreichen lässt. All das geschieht ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit der deutlichen Betonung, dass ein Hund nur richtig machen kann, was sein Mensch ihm richtig beigebracht hat.

Darüber hinaus darf sich jeder Hundebesitzer angesprochen fühlen, denn viele Trainingssituationen lassen sich auch auf ältere Hunde anwenden - wie z.B. das (Nicht-)Verbellen des Postboten oder der Tipp, unterwegs die Ruhedecke dabeizuhaben. Das A-Z Register am Ende des Buches vereinfacht die Suche nach einem speziellen Thema, wie bspw. Aufzug, Feuerwerk oder Trennungsangst.

Das Buch strahlt sehr viel Liebe und Verständnis für Hunde aus. Fast könnte man meinen, es sei von einem Hund geschrieben worden. ;-) Die beschriebenen Situationen werden durch viele passende Fotos ergänzt. Diese sind so schön, dass sie für sich genommen einen herrlichen Bildband ergäben. Tipps zu weiterführender Literatur und Websides runden das Werk ab.

Fazit: Unbedingte Kaufempfehlung für alle Menschen, die einem Welpen ein Zuhause geben wollen. Sehr empfehlenswert auch für Besitzer größerer Hunde und für alle Hundefreunde.

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich und kostet in der gebundenen Ausgabe (Softcover) 16,90 € und als E-Book 12,99 €. Natürlich findet Ihr es auch bei amazon: --> "Mit meinem Welpen die Welt entdecken" von Karin Joachim
Mehr Spaß macht der Einkauf aber doch in der Buchhandlung Eures Vertrauens, oder?  

Samstag, 22. März 2014

"Zwischenstopp" Dunkle Geschichten von Jana Oltersdorff

So ein Schnee-Krimi ist Euch nicht dunkel genug? Wie wäre es dann hiermit:

"Zwischenstopp" vereint zehn Horrorgeschichten der Autorin Jana Oltersdorff. Jana gewann mit "Redrum kommt nach Hause" übrigens den Thriller-Wettbewerb bei neobooks im Sommer 2013 und erhielt ein dickes Lob von Sebastian Fizek! Ich durfte Jana in Frankfurt auf der Buchmesse persönlich kennenlernen und empfehle Euch dieses Büchlein, wenn Ihr auf dunkle Geschichten steht. 



Mein Leseeindruck:

Düstere Horrorgeschichten müssen nicht in einer fremden, unheimlichen Umgebung spielen. Dietzenbach bei Frankfurt klingt unscheinbar und genau das ist für mich das große Plus dieser Geschichten - sie passieren größtenteils im ganz alltäglichen Leben. Die (unfreiwilligen) Akteure sind Menschen wie Du und ich. Sie fahren von der Arbeit nach Hause und nehmen dafür die S-Bahn. Oder sie wollen ihrer schwangeren Frau am Abend nach 22 Uhr unbedingt noch den Fisch besorgen, nach dem dieser so gelüstet.

Bei Svens Geschichte fühlte ich mich an die Bilder von M.C. Escher erinnert ... Wo ist der Anfang, wo das Ende? Die Gartenpforte stand vor meinem geistigen Auge in Esthers Garten ... Bloddy Harry ließ mich schmunzeln, und Crystal Creek (die Geschichte, die als einzige sicher nicht im Umkreis von Frankfurt spielt) jagte mir wirklich eine Gänsehaut über den Rücken.

Ich liebe die Geschichten von Stephen King - eben weil dort am Anfang meist alles so normal aussieht und aus dieser Normalität das Grauen wächst. Genauso ist es bei den Geschichten von Jana Oltersdorff. Es muss nicht einmal Blut fließen, und trotzdem passiert das Grauen im Kopf des Lesers. Der Erzählstil und die Sprache der Autorin kennen keine Gnade. Ich konnte ihnen nicht entrinnen, bevor ich nicht atemlos am Ende der Geschichte angelangt war. ... Um mich gleich darauf in der Unverfänglichkeit des Beginns der nächsten Geschichte zu verlieren.

Danke für ein unterhaltsames, gänsehautgeladenes Lesevergnügen!

"Zwischenstopp" gibt es als Taschenbuch für 6,00 € bei amazon sowie als E-Book für 2,99 € bei fast allen E-Bookhändlern.

--> "Zwischenstopp" von Jana Oltersdorff

Ich wünsche düsteres Vergnügen! 

"Schneekind" von Silke Nowak

Dieser Krimi ist für mich mit einer eigenen kleinen Geschichte verbunden. Im Februar betrat ich (erstmals) meine neue Lieblingsbuchhandlung, die Carl-Liehner-Hofbuchhandlung in Sigmaringen. Hier werden noch Bücher verkauft, und man fühlt sich nicht wie in einer Nanu-Nana-Filiale, die auch Bücher anbietet. Eines der ersten Bücher, die mir ins Auge fielen, war "Schneekind", ein Krimi, der größtenteils in Sigmaringen spielt. Mein erster Gedanke, CreateSpace Selfpublishing, bestätigte sich. Ich war neugierig, wie es ein Buch einer Indie-Autorin bis ins Regal dieser Buchhandlung geschafft hatte, und erfuhr von der freundlichen Buchhändlerin, dass der Ehemann der Autorin es angeboten hatte, und man hier solche "Newcomer" unterstützt. Fein ... !!! Ein bisschen vom "Leberwurstmörder" erzählt, auch dafür besteht Interesse seitens des Buchladens. 



"Schneekind" kam mit mir nach Hause. Die Autorin hatte ich über das Internet schnell ausfindig gemacht. Sie wohnt ganz in der Nähe. Inzwischen haben wir eine Menge E-Mails getauscht, uns persönlich getroffen und festgestellt, dass wir ähnlich ticken. ;-) 
Herrlich, wenn nicht nur Bücher zu Freunden werden, sondern auch deren Autoren!

Meine Meinung zu "Schneekind" (ohne zuviel zu verraten)


Das Cover machte mich neugierig, der Klappentext ließ mich das Buch kaufen. Weihnachten, das Fest der Liebe, löst bei Anne mehr als unangenehme Gefühle aus, weswegen sie seit Jahren in psychotherapeutischer Behandlung ist. Dieses Jahr hat sie sich fest vorgenommen, sich ihrer Angst zu stellen und begleitet ihren Verlobten Alex, einen Chirurgen, zu seiner Familie nach Sigmaringen, um dort Weihnachten zu verleben. Alles scheint harmonisch, Anne hat ihre Angst im Griff und die Feiertage beginnen ganz klischeehaft mit guten Essen, die Familie sitzt zusammen - heile Welt. Doch dann stirbt jemand und schnell ist klar, dass es Mord war. Die Fassade der heilen Welt bekommt gewaltige Risse, und es bleibt nicht bei einer Leiche.

Das Buch hat für mich alles, was einen guten Krimi ausmacht. Es wird gemordet, verdächtigt, auf falsche Fährten gelockt, und am Ende mehr als eine Überraschung präsentiert. Außerdem finde ich die Beschreibung der Örtlichkeiten sehr gelungen. Das Schloss Sigmaringen ist ein Traum, und seine Kulisse hat mich auf den ersten Blick genauso beeindruckt wie Anne. Die weihnachtlichen Leckereien aus dem Hause Marquard ließen mir beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Kleiner Kritikpunkt - die Sache mit der Schwester müsste sich konsequenter und logischer durch die Geschichte ziehen. Wenn ich am Ende zurückblättere, stolpere ich an manchen Stellen, weil sie nicht ganz schlüssig sind. Dafür würde ich am liebsten eine halben Stern abziehen - was ja nicht möglich ist. Dafür gibt es ein Extradankeschön für das am Ende des Krimis abgedruckte Rezept der Aprikosenplätzchen!

Das Taschenbuch kostet in ausgewählten Buchhandlungen oder bei amazon 7,99 €, das E-Book ist zur Zeit für 0,99 € erhältlich. 


Viel Spaß beim Lesen!