In diesem Blog geht es ausschließlich um Literatur oder, einfacher gesagt, um Bücher. Ihr findet hier Buchempfehlungen, meine Rezensionen zu Büchern und e-Books, die ich gelesen habe, und Hinweise auf Downloads von e-Books. Da ein Blog durch Kommentare am Leben gehalten wird, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diese Funktion fleißig nutzt.

Dienstag, 15. August 2017

"Kein guter Ort" von Bernhard Stäber

Dieser Thriller lockte mich mit einem wirklich gelungenen Cover, einem spannenden Klappentext und einer interessanten Leseprobe. »Kein guter Ort« entführt uns nach Norwegen, sowohl in die Stadt Bergen, als auch in die Provinz Telemark, wo Arne Eriksen, der »halbe Nordmann« (Mutter Deutsche, Vater Norweger), eine Stelle als Psychiater in einer Suchttherapieklinik hat. Da dies bereits der 3. Thriller mit Arne Eriksen als Hauptfigur ist, fehlen mir ein paar Fakten zu seiner privaten Vorgeschichte, was für das Verständnis dieses Thrillers allerdings von nebensächlicher Bedeutung ist. Kari Bergland, Polizistin aus Bergen, kennt Arne bereits aus der gemeinsamen Arbeit in den vorangegangenen Fällen. Sie ist, wie die Tochter ihres Polizeichefs, eine der Hauptfiguren in diesem mysteriösen Fall. Ein aktueller Mord in Bergen und ein gruseliges Hotel am Rande der Rabenschlucht in der Provinz Telemark scheinen zusammenzuhängen. Immerhin kamen in dem Hotel bzw. ganz in seiner Nähe, mehrere Menschen um. Zuletzt Vater und Tochter vor 10 Jahren. Oder sind diese Zusammenhänge nur Drogenfantasien? 

Der Autor geht meiner Meinung nach sehr zwiegespalten mit dem Begriff Drogen um. Wenn eine Zwanzigjährige Chrystal Meth nimmt, gehört sie in eine Drogenklinik. Dass in Norwegen die Null-Promille-Grenze gilt, darf der Psychiater, der Drogensüchtige kurieren will, aber ruhig ignorieren, während die Polizistin den restlichen Marinti leert. Genauso wie er, nur aus Gründen der Selbsterkenntnis und Bewusstseinserweiterung, einen Pilzcocktail nimmt, dessen Rezept im Buch auch gleich verraten wird. Hier war ich selbst zweigespalten, was ich davon halten soll. 

Die Geschichte an sich birgt schon eine gewisse Spannung, was zum Teil auch an den falschen Fährten liegt. Vor allem aber sind unwahrscheinlich viele Zufälle im Spiel. Beinahe jede Figur, die einmal auftaucht, ist auch an anderer Stelle plötzlich von Bedeutung. Dieses Prinzip wird so lange umgesetzt, bis klar ist, welche Person als Einzige als Mörder in Frage kommt. Dass diese jahrelang auf den ultimativen Showdown just bis zu dem Moment gewartet hat, wo Psychiater, Polizistin und drogenabhängige Polizeicheftochter vor Ort sind, ist natürlich ... reiner Zufall. Genauso wie die vorher mit keinem Wort erwähnte Gartentür im ersten Stock. Ein bisschen kam ich mir vor, wie in einem  Tatort, in dem gute Schauspieler ihr Potential gar nicht ausleben können. Arne Eriksen äußert teilweise so spannende Gedanken, wandelt auf dem schmalen Grat zwischen Unglauben und Verständnis, was die »heidnische« Kultur der Norweger betrifft. Die Wirkung alldessen verpufft in meinen Augen, weil sie vordergründiger Action und unnötigen Toten geopfert wird. Zurück bleibt am Ende des Buches die Hoffnung, dass Arne und Kari beim nächsten Mal alles besser machen. 

Fazit: 3*** plus kleiner Tipp am Rande: Die erwähnten Orte sind alle bei google Maps zu finden. 

Das Taschenbuch hat 448 Seiten, ist bei Bastei Lübbe erschienen und kostet 14,90 Euro. Das E-Book ist für 7,99 Euro erhältlich. 




Donnerstag, 10. August 2017

"Die Sommerfrauen" von Mary Kay Andrews

»Die Sommerfrauen« von Mary Kay Andrews ist ein Roman wie ein Urlaub am Meer. Drei Freundinnen, die sich schon seit der Grundschule kennen, inzwischen 35 Jahre alt sind und, wie man so schön sagt, »mitten im Leben stehen« haben ein Strandhaus in North Carolina gemietet. Hier in nag’s Head wollen Ellis, Dorie und Julia gemeinsam den ganzen Monat August über Urlaub machen. Nur die Frauen, denn Männer, soweit vorhanden, mussten zuhause bleiben. Ihre Unterkunft »Ebbtide« genannt, ist ein etwas heruntergekommenes Haus direkt hinter den Dünen. Über einen Holzsteg ist man im Nu am Strand - allein das klang für mich so verlockend, dass ich mich immer wieder selbst nach Ebbtide träumte. Für die Freundinnen wird der gemeinsame Urlaub aber auch zur Stunde der Wahrheit. Langgehütete Geheimnisse kommen ans Licht und auch in ihrer aktuellen Lebenssituation kann jede der Drei mit Überraschungen aufwarten. Unverhofft kommt noch eine vierte Frau hinzu, Maryn, die zunächst gar nicht in die Runde zu passen scheint und eine kriminelle Hintergrundgeschichte mitbringt.. Und was wäre ein Sommerurlaub ohne Liebe? Auch fürs Herz bietet die Lektüre von »Sommerfrauen« genug Stoff. 

Mir hat gefallen, dass die Frauen sehr lebensecht wirken. Jede hat ihre größeren oder kleineren Macken. Sie haben gemeinsam Spaß, bauen auch mal Mist, halten aber zusammen und sind füreinander da. Die Zeit in Ebbtide bietet Gelegenheit, hinter die Fassade zu schauen, Lebensziele zu hinterfragen. 

»Sommerfrauen« ist ein typischer Frauenroman. Wir erfahren fast in jeder Szene, was die Freundinnen gerade anhaben, wie sie ihre Haare tragen. Aber auch das gehört für mich zum Sommerurlaub dazu - ein zur gebräunten Haut passendes Top oder ein schwingendes Sommerkleid. 

Ein wenig gestört haben mich die gehäuften Wiederholungen. Wenn wir bspw. Maryns Geschichte bereits kennen und sie dann Ellis noch einmal mit allen Details erzählt wird. Auch die Auflösung zum Schluss, wie es mit Ebbtide weitergeht, fand ich ein wenig sehr fantastisch. An dieser Stelle ähnelte der Roman mit den lebensechten Figuren eher einem modernen Märchen von der guten Fee. Überhaupt hat für mich die Geschichte zum Ende hin an Tiefe verloren. Zwar wurde es dramatischer, aber die kleinen, liebenswerten Details fehlten mir, die liebgewonnene Atmosphäre verblasste. Julias Geburtstag z.B. wird nur in zwei Nebensätzen erwähnt. Keine Torte, keine Kerzen ... ? Wie beste Freundinnen das doch sicher machen würden?

Trotzdem zählt »Sommerfrauen« zu meinen Favoriten für ein sommerliches Lesevergnügen. Ellis, Dorie, Julia und Maryn, ich wäre so gern noch länger mit euch in Ebbtide geblieben! 


Fazit: 4****

Das kleine, handliche Taschenbuch (9,2 x 14,4 x 2,7 cm) aus der Fischer TaschenBibliothek hat 688 Seiten und kostet 10 Euro. Das normale Taschenbuch und das E-Book kosten jeweils 9,99 Euro.


Donnerstag, 3. August 2017

"Sieh mich an" von Mareike Krügel

Dieses Buch lockte mich zunächst mit dem Cover - »Oh, ein Fuchs!« Die Leseprobe gefiel mir, und das Buch »verschlang« ich an einem Tag. Ein Tag wie ein Jahr ... Denn auch die Handlung des Romans umfasst nur einen einzigen Tag im Leben von Katharina. Sie ist Anfang 40, Hausfrau, Mutter mit kleinem Nebenjob, der sie glücklich macht, aber weit entfernt ist, was sie sich als junge Frau mit abgeschlossenem Studium der Musikwissenschaften erträumte. Mit ihrem Mann führt sie seit gut einem Jahr eine Wochenendehe. Alles klingt ganz normal, banal, langweilig, solche Leben werden in unserem Land tausendfach gelebt. Doch seit zwei Wochen weiß nur Katharina, dass ein »Etwas« da ist, das sie in ihrer Brust ertastet hat und das da nicht hingehört. Gedanken um Sinn des Lebens und das, was nach dem Sterben bleibt, beschäftigen sie. 

Rückblick, Bestandsaufnahme, Vorausschau und immer wieder ihre heimlich geführten Listen. Das alles beschäftigt Katharina und wird doch immer wieder unterbrochen von dem ganz alltäglichen Chaos und Wahnsinn, der ihr Leben bestimmt. Der Autorin ist eine wundervolle Gratwanderung gelungen zwischen ernsthaften, teilweise fast philosophischen Gedanken und schreiend komischen Situationen. Katharinas Leben ist alles andere als banal und langweilig. Ein pflegeleichter, angepasster Siebzehnjähriger mit Goldkehlchen und eine pummelige, chaotische Elfjährige mit ADHS - unterschiedlicher könnten Kinder nicht sein. Dazu die beiden Nachbarn, die einmal Nachbarinnen waren, ein alter WG-Freund, abenteuerlustige Ratten und Haushaltsgeräte mit Mord- bzw.- Selbstmordabsichten ... Und schließlich das Meer und tatsächlich der Fuchs vom Buchcover. Letzterer ist für mich eine Metapher, denn er lebt sein Leben, ohne dass Katharina sich für ihn verantwortlich fühlen muss. Andere loslassen, zu sich selbst finden, das gelingt ihr im Laufe des Tages immer besser. Dem Ende zu gewinnt die Geschichte an Tiefe, was wohl am Meer liegt, dem Katharina sich endlich wieder zuwendet, auch wenn sie es quasi vor der Haustür hat. 

Mir gefällt die Figur der Katharina so gut, weil ich mich an ganz vielen Stellen mit ihr identifizieren kann. Ihr Wunsch nach Perfektion, der oft genug im Chaos endet, die alten, begrabenen Träume, die Wochenendehe, die Flirt-Resistenz. Aber auch die Spontanität, der Mut, aus- und aufzubrechen. Am Ende ist nicht alles gut, aber trotzdem macht mich die Geschichte glücklich. Denn »Glück ist das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.« (Jo Jansen)


Fazit: Leseempfehlung und 5*****

Das Hardcover mit Schutzumschlag ist im Piper Verlag erschienen, hat 256 Seiten und kostet 20 Euro. Das E-Book ist für 16,99 Euro erhältlich, das Hörbuch für 16,95 Euro.


Donnerstag, 20. Juli 2017

"Der Drachen-Klau" von Carine Bernard

Dies ist bereits der vierte Band der Molly Preston Reihe, und diesmal entführt uns der Cosy Krimi auf die schön Insel Mallorca. Was als gemeinsamer entspannter Urlaub von Molly und ihrem Freund Charles beginnt, entwickelt sich bald zu einer spannenden und zunehmend gefährlichen Verbrecherjagd. 

Carine Bernard verknüpft wieder sehr geschickt Mollys interessante Ermittlertätigkeit mit wunderschönen Landschaftsbeschreibungen. Vor allem die kleine Insel Sa Dragonera klingt für mich so verlockend, dass ich am liebsten gleich selbst dorthin reisen möchte. Aber auch andere Orte Mallorcas und die Beschreibung des leckeren Essens machen Lust auf Mallorca. Besonders gefallen haben mir die vielen eingebauten Informationen über die Situation der Gitanes (»Zigeuner«) auf Mallorca. Traurig, dass sie wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Am Beispiel der Figuren Cuio, Mattea und deren Großmutter wird der Konflikt verdeutlicht: Armut, Ausgrenzung und traditionelle Verpflichtung dem Familienclan gegenüber, lassen viele Gitanes den illegalen Weg einschlagen. Sich davon loszusagen, bedeutet den Bruch mit der »Familie«. Und die Großmutter möchte am liebsten alles zusammenhalten. 

In diesem Band erfahren wir endlich etwas mehr über Charles. Er ist nicht nur direkt anwesend, sondern wird sogar von Molly in die Ermittlungen mit einbezogen. Auch das Geocaching hat einen Platz in diesem Buch gefunden. Allerdings finde ich es schade, dass Molly mit den Ermittlungen so beschäftigt ist, dass sie den Cache vom Anfang der Geschichte nicht weiter sucht. Da muss sie wohl irgendwann noch einmal zurück nach Sa Dragonera. 


Fazit: 5***** Sterne und Empfehlung als Sommer-Urlaubs-Lektüre. 

Das Taschenbuch hat 264 Seiten, ist im Knaur TB Verlag erschienen und kostet 12,99 Euro. Das E-Book ist als TOPKRIMI für 4,99 Euro erhältlich.


Mittwoch, 24. Mai 2017

"Das geheimnisvolle Leben der Pilze" Robert Hofrichter

Der Autor schreibt über Pilze mit einer Begeisterung, die ansteckend ist. Von einem unbekannten Kosmos ist die Rede, von verschlagenen Betrügern, hilfreichen Netzwerkern und berauschenden Verwandlungskünstlern. Gemeint sind in jedem Fall Pilze und dazu gehören viel mehr Formen und Varianten als jene, die wir im Körbchen aus dem Wald nach Hause tragen, oder auch dort stehenlassen. Pilze kommen nahezu überall auf der Welt vor, sogar im Meer und im Süßwasser. Sie reisen in ferne Länder und erobern neue Lebensräume. Beispielsweise sollen Sporen des Tintenfischpilzes mit Schafwolle aus Australien nach Europa gekommen sein, wo der, wie ein rötlicher Krake aussehende und nach Aas riechende Pilz Vergiftungserscheinungen bei Hunden herbeiführte. Überhaupt sind wir Menschen nicht die Einzigen, die gern Pilze verspeisen. Ameisen und Termiten haben schon Pilze gezüchtet, bevor die ersten Menschen unsere Erde bevölkerten. Und sie tun es heute noch. Selbst was Pilz mit Pils, besser gesagt, dem Bier im Allgemeinen, zu tun hat, wird in diesem Buch erklärt. Und ganz nebenbei auch die Theorie des bayrischen Biologieprofessors Joseph Reichholf, die Menschen wären nur sesshaft geworden, um sich genug Körner für die Herstellung des berauschenden Bieres zu verschaffen. 

Faszinierende Fakten und Hintergründe über eine Lebensform, die irgendwo zwischen Pflanze und Tier steht, werden auf unterhaltsame Weise präsentiert und wissenschaftlich begründet. Robert Hofrichter hat sein Leben lang mit Pilzen zu tun. Als Kind aß er sie mit Vorliebe, wollte immer mehr darüber wissen und machte schließlich seine Leidenschaft zum Beruf. Dass so ein »Pilzverrückter« sogar den Heiratsantrag mit Hilfe eines bestimmten Pilzes machte (nein, keiner mit berauschender Wirkung!), klingt direkt logisch. 

Wer ein Bestimmungsbuch für Pilze sucht, wird von diesem Buch enttäuscht sein, obwohl einige sehr schöne Farbfotos vorhanden sind. Der Autor hat aber auch ein, derzeit leider vergriffenes und nur antiquarisch erhältliches, Pilzbestimmungsbuch geschrieben. Hier in »Das geheimnisvolle Leben der Pilze« vermittelt Hofrichter Erkenntnisse, die den Leser mit anderen Augen durch die Welt gehen lassen. Interessante Pilze sind von nun an nicht mehr nur die leckeren aus dem Wald oder Supermarkt, sondern alle, die mit und auch die ohne Hut.

Fazit: Ein lehrreiches, unterhaltsames Buch. 5*****

Das Hardcover mit Schutzumschlag ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen, hat 240 Seiten und kostet 19,99 Euro. Das E-Book ist für 15,99 Euro erhältlich.




"Ich war jung und hatte das Geld" von Sebastian Lehmann

Untertitel: "Meine liebsten Jugendkulturen aus den wilden Neunzigern". Von manchen Jugendkulturen haben die meisten Menschen schon gehört. Hippie, Punker, Öko oder Christ ... mit diesen Begriffen kann sogar meine Mutter etwas anfangen. Bei Grunge, Emo oder Straight Edge würde sie nur verständnislos mit den Schulter zucken und fragen, ob das was ein neues Putzmittel, oder was zum Essen ist. Für alle, denen es ähnlich geht, hat Sebastian Lehmann dieses Buch geschrieben, dachte ich. 

Eigentlich müsste das 192 umfassende Buch, in dem über 50 verschiedenen Jugendkulturen je ein kurzes Kapitel eingeräumt wird, heißen: »Ich war jung und hatte das Geld nicht.« Denn während sie von einer trendigen Bewegung zur nächsten wechseln, fehlt Sebastian und seinen Freunden Flo, Dirk und Tina vor allem eins: das nötige Kleingeld, um sich standesgemäß auszustaffieren. So improvisieren die Schüler mit Hilfe von Handtüchern, Bademantelgürteln oder eingetrockneter Handmalfarbe. Erfinderisch sind sie und trotzdem geht immer irgendetwas schief. Dirk ist mit Abstand der Uncoolste von allen, so dass er fast schon wieder cool ist, denn diese Rolle zieht er tapfer durch. Egal ob er als Backpacker nur einen Kinder-Rollkoffer mit Marienkäfern dabeihat oder als Skinhead Pumuckl-Hosenträger, Dirk führt jede Jugendkultur ad absurdum. Für mich ist er der eigentliche Held der kurzen Geschichten. Gleichzeitig sorgt er dafür, dass die Erlebnisse immer noch Überraschungen bieten. Denn irgendwann hat man das Gefühl, egal was die Jungs da jetzt gerade ausleben, das hatten wir doch so ähnlich schon mal. Ein paar Kapitel vorher. 

Wer eine Art Nachschlagewerk der Jugendkulturen erwartet, wird enttäuscht sein. Der Autor nimmt sich selbst und all die verschiedenen Jugendbewegungen nicht wirklich ernst. Das zeigt sich auch darin, dass die Helden so jung sind, dass sie sich vor den bösen Fünftklässlern fürchten müssen. Denn sind sie kleine, unschuldige Grundschüler, die mit den oben erwähnten, begrenzten Mitteln und zusätzlich eingeschränkt durch Muttis Verbote, ausprobieren wollen, was bei den großen, echten Jugendlichen angesagt ist. Diese Konstellation hatte ich, ehrlich gesagt, nicht erwartet, sondern doch eher ein Mittelding zwischen humoriger Auseinandersetzung und Erlebnissen von jemandem, der wirklich dabeigewesen ist, bei den Gruftis, den Trekkies und den Skatern. Auch das Cover lässt keinesfalls an ständig aufs Neue scheiternde Grundschüler denken. Die phantasievollen Ankleidepüppchen zum Ausschneiden (??? Au weia, dann ist das Buch kaputt!), die viele der Kapitel illustrieren, sprechen auch eher jüngere Kinder an. 


Fazit: Nicht ganz mein Humor und ganz anders, als ich es dem Klappentext nach erwartet hätte. 3***

Das 192 Seiten umfassende Taschenbuch ist im Goldmann Verlag erschienen und kostet 10 Euro. Das E-Book ist derzeit für 8,99 Euro erhältlich. 


Montag, 22. Mai 2017

"Die Honigfabrik" von Jürgen Tautz und Diedrich Steen

»Die Honigfabrik - Die Wunderwelt der Bienen - eine Betriebsbesichtigung« ist ein in mehrfacher Hinsicht faszinierendes Buch. Zum Einen ist es sprachlich so gestaltet, dass es flüssig wie ein spannender Roman zu lesen ist. Zum Anderen steckt es so voller Wissen und interessanter Fakten über die Bienen, dass ein Aha-Erlebnis sich an das nächste reiht. Auch der Ansatz, die Welt der Bienen wie ein Unternehmen zu betrachten, gefällt mir sehr gut. Immer wieder staunte ich beim Lesen, wie hochgradig effizient die Honigproduktion mit allen dazugehörigen Arbeitsschritten organisiert ist, und wie perfekt diese »Firma« arbeitet. Ein Lehrbeispiel für so manches menschliche Unternehmen. 

Dem Autorenduo Jürgen Tautz (Professor der Uni Würzburg und international anerkannter Bienenexperte) und Diedrich Steen (Programmleiter im Verlag und seit 20 Jahren Imker aus Leidenschaft) gelang es von der ersten Seite an, mich in den Bann dieses Buches zu ziehen und mit der Begeisterung für die Bienen anzustecken. Allein schon die Kapitelüberschriften klingen verlockend: »Von dicken Mädchen, Geschwisterliebe und wütenden Amazonen«, Zickenterror mit Todesfolge« oder »Betriebsspionage, Raubüberfälle und Aliens aus Asien« laden dazu ein, diese Kapitel direkt auf zuschlagen. Aber halt! Die Erläuterungen des Buches bauen bei aller Spannung aufeinander auf. Man sollte es besser von vorn bis hinten der Reihe nach lesen, also eher wie einen spannenden Krimi, als wie ein fachliches Nachschlagewerk. Egal, ob es um die unterschiedlichen Aufgaben der Bienen in der Honigfabrik geht, um den genauen Ablauf der Honigproduktion oder um die Gefahren, die den Bienen in der heutigen Zeit drohen, jedes Kapitel liest sich spannend und trotz des vermittelten Wissens erstaunlich leicht. 

Die Gestaltung des Buches ist sehr lesefreundlich - Farbfotos finden wir erst auf mehreren Seiten am Ende des Buches, sodass zunächst das Lesevergnügen im Vordergrund steht. Grafische Elemente (Mikroskop und senkrechte Pünktchenline am Seitenrand) verraten, wenn es etwas wissenschaftlicher wird. In diesen Teilen finden sich manchmal auch erläuternde Schwarzweißzeichnungen und statistische Kurven. Ein Lesebändchen hilft, nach einer Pause sofort zur zuletzt gelesenen Seite zurückzukehren. Die Gestaltung des Schutzumschlags ist eine gelungene Kombination aus einem Fachbuch  zukommender Sachlichkeit und etwas leidenschaftlicher Verspieltheit und sollte sowohl Imker als auch interessierte Laien ansprechen. 

Fazit: Ein wunderbares Buch, um es, auf einer Sommerwiese liegend zu lesen, das Summen der Bienen als Hintergrundmusik im Ohr. Oder um bei kaltem Wetter vom Sommer zu träumen. Und in jedem Fall ganz nebenbei sein Wissen über diese faszinierenden Insekten zu vervielfachen. 5*****

Das Hardcover mit Schutzumschlag ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen, hat 272 Seiten und kostet 19,99 Euro. Das E-Book ist für 15,99 € erhältlich.