In diesem Blog geht es ausschließlich um Literatur oder, einfacher gesagt, um Bücher. Ihr findet hier Buchempfehlungen, meine Rezensionen zu Büchern und e-Books, die ich gelesen habe, und Hinweise auf Downloads von e-Books. Da ein Blog durch Kommentare am Leben gehalten wird, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diese Funktion fleißig nutzt.

Freitag, 20. Oktober 2017

Werkstattgespräch mit Carine Bernard


Heute geht es hier weiter mit der Blogtour zu Carine Bernards neuem Liebeskrimi "App to Date", der am 13. Oktober erschienen ist. Was Ihr vielleicht schon immer aus dem Alltag einer Schriftstellerin wissen wolltet, Carine und ich haben darüber geredet, von Schreibwerkstatt zu Schreibwerkstatt:



Jo: Liebe Carine, magst Du meinen Blog-Lesern kurz verraten, wie Du dazu gekommen bist, Bücher zu schreiben?

Carine: Zum Bücherschreiben bin ich über unser gemeinsames Hobby Geocachen gekommen. Für einen Rätselcache habe ich mir vor einigen Jahren die Figur Molly Preston ausgedacht. Die letzte Rätselgeschichte ist dann immer umfangreicher geworden, so ist am Ende ein Buch daraus entstanden: Der Lavendel-Coup. Ich gab es einem Freund zu lesen, und er meinte, den Deutschen Buchpreis würde ich damit nicht gewinnen, aber er hätte schon viel Schlechteres gelesen, und ich solle es veröffentlichen. Damals hatte ich von Dingen wie Verlagssuche oder Selfpublishing überhaupt keine Ahnung und habe es einfach probiert.
Und dann hatte ich das große Glück, dass dieses Buch über die Plattform Neobooks zum Verlag Droemer-Knaur gekommen ist. 
Ich glaube, dein Weg war ja ähnlich - dein Hundekrimi "Schnüffelnase", für den deine Hündin Rika das Vorbild war, ist ja auch bei Droemer-Knaur erschienen. Wird es davon eigentlich eine Fortsetzung geben?

Jo: Oh ja, der zweite Hundekrimi ist in der Rohfassung bereits fertig. Ich tue mich etwas schwer damit, ihn loszulassen, was wohl auch an der extrem langen Schreibzeit liegt. Durch unsere Baustelle immer wieder unterbrochen, zog sich die Arbeit am Buch gut drei Jahre hin. Soviel kann ich aber schon verraten: Nach diesem zweiten Hundekrimi, in dem Rika, die Mörder jagende Schnüffelnase, in Berlin auf Verbrecherjagd geht, wird es einen dritten Teil geben, der hier im wunderschönen Oberen Donautal spielt - natürlich wieder mit Rika in der Hauptrolle. Von Dir gibt es ja bisher drei Molly-Preston-Krimis. Ist der vierte bereits in Arbeit und in welche schöne Gegend wirst Du uns darin entführen? 

Carine: Der vierte Molly-Preston-Krimi ist sogar schon erschienen, er wurde am 1. Juni veröffentlicht. Er spielt auf Mallorca, eine Gegend, die auch für Geocacher besonders interessant ist. Molly gerät darin zwischen die Fronten zweier rivalisierender Drogenbanden und muss den Tod einer jungen Zigeunerin aufklären. Mollys Freund Charles spielt diesmal eine größere Rolle, das war der Wunsch meiner Leser.
Fürs erste ist jetzt kein neuer Molly-Preston-Krimi in Planung. Das nächste Buch wird ein Regionalkrimi, der in  meiner neuen Heimat Ratingen spielt. Eine Tierärztin, ein Streifenpolizist und ein Schäferhund, der zu nett für einen Polizeihund ist, werden darin die Hauptrollen spielen. Ratingen ist eine wunderhübsche Stadt mit langer Geschichte und vereint durch seine Lage zwischen Ruhrgebiet, Rheinland und Bergischem Land viele kulturelle Elemente. Diese Vielfalt möchte ich in dem neuen Buch zeigen.Wo kommen dir eigentlich die besten Einfälle, zu Hause am Schreibtisch, oder wenn du unterwegs bist?

Jo: Unterwegs, eindeutig. Eine Geschichte beginnt meist wie ein Puzzle. Eine bestimmte Situation, manchmal nur ein Gedanke, bringt mich dazu, den Faden weiterzuspinnen. Dann fügt sich das nächste Puzzleteil ein, und das übernächste … Irgendwann entwickelt die Geschichte ein Eigenleben, sodass ich beim Schreiben oft selbst überrascht bin, wohin die Story führt. Ja, manchmal machen die Figuren, was sie wollen. Oder es taucht - real oder in meinen Gedanken - jemand auf, der unbedingt mit in diese Geschichte will. Das kann zum Beispiel Leonardo da Vinci sein oder ein Obdachloser, dem ich in Toulouse begegnet bin. Und wie ist es bei Dir? Planst Du eine Story von Anfang bis Ende und beginnst dann erst, sie aufzuschreiben, oder lässt Du Dich wie ich gern von Deinen Protagonisten überraschen?

Carine: Ein bisschen planen muss ich schon. Üblicherweise habe ich den Anfang und das Ende einer Geschichte und ein paar Eckdaten dazwischen. Dann entstehen in meiner Fantasie die Figuren, die ich brauche, um diese Idee zum Leben zu erwecken. Über die Hauptfiguren denke ich tatsächlich ziemlich lange nach, bevor ich das erste Wort schreibe. Erst wenn ich sie wirklich gut kenne, lasse ich sie in meinem Kopf interagieren, und dann beginne ich zu schreiben.
Dieser Vorbereitungsprozess dauert manchmal ein halbes Jahr oder länger. Der eigentliche Schreibprozess geht dann relativ schnell, vom ersten Buchstaben bis zur Rohfassung vergehen nur einige Wochen. Du hast ja bisher hauptsächlich Kurzgeschichten veröffentlicht. Wie lange schreibst du an so einer Geschichte? Worin besteht für dich der Hauptunterschied zu einem kompletten Roman?


Jo: Kurzgeschichten entstehen manchmal sehr spontan, dann schreibe ich die Rohfassung durchaus an einem Tag oder Abend nieder. Andere trage ich länger mit mir herum, bewege sie im Geiste hin und her, bevor ich mich hinsetze, um sie aufzuschreiben. Oft sind diese Geschichten Momentaufnahmen oder spielen in einem sehr kurzen Zeitraum. Das Schöne an Kurzgeschichten ist für mich das Ende, das Dich im optimalen Fall nachdenklich zurücklässt. Hier darf der Leser den Faden gern noch ein bisschen weiterspinnen. Ein Roman dagegen erzählt seine Geschichte ausführlicher, benötigt natürlich auch viel längere Schreibzeit. Dabei muss ich darauf achten, das trotzdem alles logisch zueinanderpasst. Ein Roman gibt im Gegensatz zur Kurzgeschichte viel mehr Raum für Figuren und ihre Entwicklung, für Nebenhandlungen und -Schauplätze. Manche Orte sind nur ins Buch gekommen, weil ich sie so beeindruckend fand. Liebe Carine, Deine Bücher spielen teilweise an besonders schönen Orten - in Wien, in der
Provence oder in den Yorkshire Dales. Reist Du gezielt dorthin zur Recherche oder ergibt sich die Buchidee vor Ort, beim Urlaub?


Carine: Das ist unterschiedlich. Beim Lavendel-Coup hatte ich die Idee zur Geschichte schon im Kopf, als ich im Urlaub in der Provence diese alte Kapelle entdeckte, die genau die Kulisse bot, die ich für meine Idee brauchte. Da war es dann naheliegend, die ganze Geschichte in der Provence spielen zu lassen, eine Gegend die wir schon oft im Urlaub bereist haben und die ich sehr liebe. Auch die Yorkshire Dales habe ich im Urlaub kennengelernt und mich in diese Landschaft verliebt. Wien dagegen ist ja meine alte Heimat, und es war mir ein großes Bedürfnis, diese wunderbare Stadt in einem Buch zu verewigen.
Für die Mallorca-Geschichte bin ich tatsächlich extra auf die Insel geflogen. Wir haben Freunde, die in Andratx ein Haus besitzen. Die hatten uns schon länger eingeladen, und so konnte ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Wir verlebten eine zauberhafte Woche auf Mallorca, und ich gewann genügend Eindrücke, um ein Buch daraus zu machen. Das Haus der Freunde war natürlich auch das Vorbild für das Haus, in dem Molly und Charles im Buch wohnen. 
Du bist ja auch eine "Zugezogene" hier im schönen Donautal. Hast du auch schon einmal die Idee gehabt, deine neue Heimat in einem Buch zu verewigen?


Jo: Der dritte Hundekrimi spielt hier im Oberen Donautal. Die Landschaft finde ich sehr inspirierend, urwüchsig, abenteuerlich und märchenhaft. Da kommen mir ständig neue Geschichten in den Sinn, die ich bisher aufgeschrieben, aber noch nicht veröffentlicht habe. Ich denke, so ähnlich geht es Dir mit Deiner neuen Heimat Ratingen auch, die Dich zu Deinem neuesten Roman angeregt hat, auf den ich schon sehr gespannt bin. Eine Mörder jagende Deutsch Drahthaar Hündin bei mir, ein für einen Polizeihund zu netter Schäferhund bei Dir - ich glaube, unsere vierbeinigen Protagonisten würden sich prima verstehen. Liebe Carine, ich bedanke mich für das interessante Gespräch und wünsche Dir weiterhin viele gute Einfälle, Spaß und Erfolg beim Schreiben und beim Geocachen. 

Carine Bernard - eine sympathische, freundliche Kollegin.
***

Und Ihr, liebe Leser, seid eingeladen, der Blogtour weiter zu folgen. Denkt daran, hier und auf den anderen Blogs fleißig zu kommentieren, denn das erhöht Eure Chancen bei Carines Gewinnspiel, über das ich bereits vorgestern berichtet habe. Vielleicht habt Ihr ja noch Fragen an Carine oder mich, die in unserem Werkstattgespräch nicht beantwortet wurden? Dann her damit und ran an die Gewinnspielpreise! 

Mit der Blogtour geht es heute nachmittag weiter bei Lina:







Mittwoch, 18. Oktober 2017

"App to Date" von Carine Bernard

Zum Erscheinen ihres neuen Liebeskrimis "App to Date" hat die Autorin Carine Bernard zu einer Blogtour eingeladen. Verschiedene Bloger stellen auf ihren Blogs das Buch vor, es gibt Interviews, Hintergrundinformationen und am Ende (Sonntag, 22.10.2017) ein großes Gewinnspiel, an dem auch Ihr, liebe Leser, hier auf diesem Blog teilnehmen könnt, denn Liselotteratur ist bei der Blogtour dabei. 




Rezension zu »App to Date« von Catherine Bernard

Ein Team von Psychologen entwickelt gerade eine neue Dating-App, mit deren Hilfe die Benutzer ihren perfekten Partner finden sollen. Jenny, die als Studentin diesem Team angehört, testet die App mit einem Fakeprofil. Doch dann wird es kompliziert - sie lernt mit Hilfe der App Jakob kennen und verliebt sich in ihn. Wenig später stirbt eines ihrer Dates und Jakob wird als Mörder verdächtigt. Natürlich versucht Jenny alles, um seine Unschuld zu beweisen ...

Es klingt wie ein moderndes Märchen: Die App analysiert mit Hilfe seines eigenen Smartphones den jeweiligen User, erkennt seine Bewegungen, Vorlieben, Kontakte usw. und schlägt ihm dazu passend die perfekten Datingpartner vor, sobald sich diese in seiner Nähe aufhalten. Jakob und Jenny sehen tatsächlich im jeweils Anderen den optimalen Partner. Klingt toll, kein langes Suchen mehr, keine Enttäuschenungen, Tränen und Liebeskummer. Nur dass jedes Ding zwei Seiten hat und Jenny bald erkennen muss, dass jemand die App und die mit deren Hilfe gesammelten Daten missbraucht. Und auch Jakob und Jenny werden von der Realität eingeholt, denn Konflikte und Missverständnisse kann selbst diese neue App nicht verhindern. 

Das Buch liest sich leicht und flüssig, die Charaktere sind relativ einfach - es gibt die Guten und die Bösen und kaum etwas dazwischen. Wenigstens Jakob hat als Guter ein paar Schwächen. Die Liebesgeschichte hat mich leider nicht so ganz gepackt. Einerseits ging es sehr schnell, andererseits war immer noch eine große Distanz zwischen den Beiden, z.B. das »verzockte Date«, oder dass Jenny nicht einfach mit der Wahrheit rausrückt. Durch die gelungene Beschreibung der Lokalitäten bekam ich direkt Lust, Düsseldorf wieder einmal zu besuchen. 

Mich hat vor allem die gruselige Datenmissbrauchsgeschichte fasziniert. Ein bitterböses was-wäre-wenn-Szenario. Der Mordfall war eher »Beiwerk«, zumal mir ziemlich schnell klar wurde, wer der Mörder sein würde und was sein Motiv ist - noch bevor es eine Leiche gab. Ein Rätsel gewohnter Krimileser hätte hier vielleicht mehr erwartet. Trotzdem hat mich das Buch gefesselt und nachdenklich zurückgelassen. Denn, zu diesem Krimi gibt es eine interessante Vorgeschichte. Die Autorin Carine Bernard ließ sich inspirieren von einer wahren Zeitungsmeldung: "Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt":  Der Inhalt ist so ungeheuerlich, dass man ihn am liebsten ins Reich der Phantasie verbannen würde. Und doch ist diese psychologische Ausspionierung und Beeinflussung heute bittere Realität. Ich empfehle Euch dringend, den verlinkten Artikel zu lesen. Es geht nämlich nicht nur darum, welche personalisierte Buch-, Schuh- und Reisewerbung uns angezeigt wird. Damit könnte ich leben. Im Buch werden Dates gemacht. In der Realität Regierungen. DAS macht mir wirklich Angst.
Fazit: Leichter Liebeskrimi mit sehr realem, beängstigendem Hintergrund. 4****




"App to Date" von Carine Bernard erschien am 13. Oktober 2017. Das Taschenbuch hat 292 Seiten und kostet 11,90 Euro. Das E-Book ist zur Zeit für 2,49 Euro erhältlich. 

Hier auf meinem Blog erwartet Euch am Freitag, dem 20.10.2017 ein "Werkstattgespräch" mit Carine Bernard. Wir plaudern darüber, woher wir die Ideen für unsere Bücher bekommen, wie lange wir an einer Geschichte schreiben und ob es Fortsetzungen der bisher erschienenen Bücher geben wird. Bleibt schön neugierig und vergesst das Gewinnspiel nicht: 





Gewinnspiel - Info: 
1. Preis: 1 Taschenbuch "App to Date" + 1 Lesezeichen
2. Preis: 1 E-Book "App to Date" + 1 Lesezeichen
3. Preis: 1 Messetasche "App to Date" + 1 Lesezeichen

Teilnahmebedingungen: Die Blogtour "App to Date" findet vom 16. - 22.Oktober 2017 statt. Während dieser Zeit werden auf den beteiligten Blogs (blog-a-holic, Buchwellenreiter, Flowers Büchertagebuch, Lina liest halt und Liselotteratur) Beiträge gepostet.
UM AM GEWINNSPIEL TEILZUNEHMEN, MUSS WÄHREND DER BLOGTOUR MINDESTENS EIN BEITRAG KOMMENTIERT WERDEN: 
- direkt in einem der beteiligten Blogs
ODER
- in einem zur Blogtour verlinkten Facebook-Beitrag
(auf der Facebookseite eines der Blogs oder auf der Seite der Veranstaltung)

Jeder kommentierte Beitrag erhöht die Gewinnchance! Mehrfache Kommentare im gleichen Beitrag werden aber nur einmal berücksichtigt.

Die oben genannten Preise werden am Sonntag, den 22. Oktober um 14.00 Uhr unter allen Teilnehmern verlost.
Die Sachpreise können nicht in bar abgelöst werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Datenschutz: Zur Übermittlung der Gewinne ist es notwendig, nach der Auslosung Name und Adresse anzugeben. Diese Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel verwendet und anschließend gelöscht.
Wer zum Zeitpunkt der Auslosung (22.10.2017) noch nicht 18 Jahre alt ist, benötigt eine Einverständniserklärung der Eltern.

Veranstalter des Gewinnspiels ist Karin Uhlig, Am Pfingsberg 35, 40882 Ratingen. Weder Facebook noch die teilnehmenden Blogger sind für die Durchführung verantwortlich.
***

Viel Glück beim Gewinnspiel! Wenn Ihr mehr über "App to Date" wissen und Eure Chancen beim Gewinnspiel erhöhen möchtet, schaut auch auf den anderen Blogs vorbei. Der nächste Beitrag erscheint am 19.10.2017 um 10 Uhr bei:




Donnerstag, 12. Oktober 2017

»Der Tiger in der guten Stube« von Abigail Tucker

Manche Menschen können gar nicht genug von ihnen bekommen - sie posten niedliche Fotos, haben Tassen, Kissen und Socken mit ihrem Abbild, lächeln geduldig, wenn sich eins der Wesen quer auf die Computertastatur legt und das andere auf dem Stapel frisch gebügelter Wäsche sein Mittagschläfchen hält. Katzen! Womit sich diese Tiere einen ganz besonderen Platz unter den Haustieren und in unserem Herzen verdient haben, versucht Abigail Tucker in ihrem neuesten Buch zu ergründen. 

Dafür befragte die Autorin Biologen, Archäologen, Katzenzüchter und viele Menschen mehr, die beruflich in irgendeiner Form mit Katzen zu tun haben. Außerdem ist sie in einer katzenverrückten Familie groß geworden, ein Leben ohne Katzen kennt sie gar nicht. Und nicht zuletzt hat Abigail Tucker in unglaublicher Fleißarbeit zusammengetragen, was es in der Literatur und wissenschaftlichen Studien Wissenswertes über die Katzen zu erfahren gibt. Das Ergebnis ist ein Sachbuch, das sich unglaublich spannend liest. So geht die Autorin beispielsweise der Frage nach, warum Katzen, anders als Hunde, erst am Anfang der Domestizierung stehen, obwohl sie ebenfalls schon seit Jahrtausenden mit den Menschen zusammenleben. Oder warum alle anderen Haustiere einen »Nutzen« erbringen müssen, Katzen aber einfach nur da sein dürfen und trotzdem mit menschlicher Liebe überhäuft werden. Aber auch die Kehrseite der Medaille wird betrachtet, dass zum Beispiel bestimmte Krankheiten nur bei Katzen auftreten, die reine Wohnungskatzen sind. 

»Wenn ich wüsste, was Katzen so beliebt macht, wäre ich Milliardär« - diese Aussage von Christian Bauckhage, Professor für Informatik und Memforscher an der Universität Bonn, bringt es auf den Punkt. Katzen sind und bleiben rätselhafte Wesen, aber vielleicht lieben wir sie ja gerade deswegen so sehr?

Ein »Manko« dieses interessanten Buches ist die Fülle der weiterführenden Informationen. Fast 500 Fußnoten verleiten den Leser permanent, zu den Anmerkungen am Ende des Buches zu blättern und dann auch noch zu googeln. Damit hat dieses Buch etwas von einer unendlichen Geschichte, man bekommt das Gefühl, nie damit fertig zu werden. Aber das passt ja wieder zur Unergründlichkeit dieser faszinierenden Tiere. 


Fazit: Ein spannendes Buch für Katzenliebhaber. 5*****

Das Buch ist als Hardcover mit Schutzumschlag im THEISS-Verlag erschienen, hat 304 Seiten und kostet 19,95 Euro. Das E-Book ist für 15,99 Euro erhältlich.




Dienstag, 26. September 2017

"Das Geschenk eines Sommers" von Gabriele von Braun

Clara lebt mit der Hoffnung, dass ihr geliebter Martin sich ganz zu ihr bekennen und dafür seine Frau verlassen wird. »Ich bin doch kein Friseurtermin«, beschreibt den Stand ihrer Beziehung am Anfang des Buches ziemlich treffend. Plötzlich jedoch verlieren Claras Liebesleben und sogar ihr Job an Bedeutung, denn ihre Mutter Ruth ist schwer erkrankt. Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium, Ruth bleibt nur noch dieser Sommer. Ich fand es unheimlich traurig, die lebenslustige, humorvolle Ruth am Rande des Sterbens sehen zu müssen. Ihr (schwarz-) humoriger Umgang mit der Situation gefiel mir. Ebenso, dass Clara Job und Beziehung hinten anstellt und den Sommer über nur für ihre Mutter da sein will. Interessant der unterschiedliche Umgang Ruths nächster Angehöriger mit der Diagnose. Trauriges Nichtloslassenwollen durch Nähe auf der Seite von Clara, Rückzug, Sprachlosigkeit, Verweigerung, Nichtwahrhabenwollen bei Ruths Ehemann. Beides extreme, aber menschliche Reaktionen.

Die Autorin spricht Vieles an, was den Alltag eines Krebskranken angeht. Sie beschreibt Ruths körperlichen Verfall so detailliert, dass es wehtut, umso mehr, wenn man weiß, dass eigenes Erleben der Anlass für dieses Buch war. Plötzlich verschieben sich Wertigkeiten im Leben,  darüber lohnt es sich auch als gesunder Mensch nachzudenken. Bis dahin war ich voll gefangen von Ruths immer wieder Aufbegehren gegen die Krankheit, ihrem »Galgen-«Humor, Claras Schwanken zwischen Dankbarkeit für diese Nähe und Verzweiflung vor dem drohenden Verlust. Dann wurde es mir im Drumherum etwas zu viel des Guten. Der verschwiegene Tod von Ruths Eltern, die ehemals beste Freundin, Philipp, der Mister Perfekt in Weiß ... Für mich wäre Ruths Erkrankung und deren Auswirkung auf die Beziehung zur Tochter und zum Mann genug Stoff für dieses Buch gewesen, dazu Martin als Nebenfigur mit Klärungsbedarf. Ich hätte mich gern auf diese Konstellation konzentriert, den Hauptfiguren über die Schulter geschaut, wie sie diese Herausforderung meistern. Das wäre Drama genug gewesen, und ein Happy End erwartet wohl niemand bei so einer Geschichte.

Fazit: Teilweise ergreifend, aber zu viel Drumherum 3***

Das Taschenbuch hat 310 Seiten, ist bei Bastei Lübbe erschienen und kostet 12,90 Euro. Das E-Book ist für 6,99 Euro erhältlich. 




Montag, 25. September 2017

"Palast der Finsternis" von Stefan Bachmann

Anouk wird mit vier weiteren Jugendlichen nach Frankreich eingeladen. Die Fünf wurden ausgewählt, einen neu entdeckten unterirdischen Palast in der Nähe von Paris als erste betreten und erforschen zu dürfen. Anouk ist froh, für eine Weile von ihrer Familie wegzukommen. Besonders zu ihrer Mutter scheint sie kein gutes Verhältnis zu haben. Überhaupt ist Anouk als Hauptfigur ebenso seltsam wie interessant. Ihr ist es egal, was andere von ihr denken, sie will niemandem gefallen und vor allem hat sie eine Weltsicht, die vor Sarkasmus trieft, womit ihr Umfeld ein Problem hat, wenn sie diese ausspricht. 

Parallel dazu lernen wir Aurélie und ihre Familie kennen, die als Adlige in den Wirren der französischen Revolution 1789 um ihr Leben fürchten müssen. Einzige Rettung scheint die Flucht in den unterirdischen Palast zu verheißen ... 

Warum ausgerechnet fünf unerfahrene Teenager einen historischen Fund als Erste untersuchen sollen und keine Profis, ist eine Frage, die sich die Jugendlichen erst stellen, als einige Dinge nicht wie erwartet laufen. Plötzlich scheinen sie in einer tödlichen Falle zu sitzen, in der die Bedrohung nicht nur von einer Seite kommt. Die Suche nach einem Ausweg ist sehr spannend beschrieben und voller gruseliger Überraschungen.

Interessant ist der Perspektivwechsel inklusive Zeitsprung, wenn wir abwechselnd Aurélies und Anouks Erlebnisse lesen. Beide Mädchen sind in etwa gleich alt und scheinen doch so unterschiedlich in ihrer Lebensweise und Weltsicht. Bis sich ihre Ziele auf dasselbe reduzieren: Überleben.

Mir hat vor allem die Figur der Anouk in ihrer Entwicklung gefallen. Ihre Widersprüchlichkeit aus Ablehnung und Aufbegehren sowie tief verborgener Sehnsucht nach menschlicher Wärme und Nähe machen sie trotz ihrer ruppigen Art sehr sympathisch. Irgendwann wollte ich sie einfach nur in den Arm nehmen. 

Palast der Finsternis ist ein besonderes Jugendbuch. Ein bisschen History, etwas mehr Fantasy, viel vordergründige Action und Spannung, doch dahinter verborgen Fragen nach Sinn und Wert des Lebens und dem Umgang der Menschen miteinerander. Ich könnte mir eine Verfilmung dieses Werkes sehr gut vorstellen und weiß jetzt schon, an welchen Stellen ich lieber die Augen zukneifen würde. 


Fazit: Sehr empfehlenswert. 5*****

Das Taschenbuch hat 400 Seiten, ist im Diogenes Verlag erschienen und kostet stolze 18 Euro. Das E-Book ist für 14,99 Euro erhältlich.


Donnerstag, 21. September 2017

"Bilder des Bösen" von Britta Hasler

Ich gestehe, kein Fan historischer Romane zu sein, auch wenn ich die akribische Recherche der Autoren solcher Werke bewundere. Britta Hasler hatte mich allerdings bereits mit ihrem ersten historischen Wien-Krimi "Das Sterben der Bilder" so beeindruckt, dass ich diese Fortsetzung einfach lesen musste. Ich wurde nicht enttäuscht. Die Autorin versteht es, einen von der ersten Seite an in die Geschichte hineinzuziehen. Die kriminelle Handlung um einen Serienmörder, der es auf weibliche Prostituierte abgesehen hat, die eine ganz besondere Art von Dienst anbieten, ist spannend konstruiert. Britta Hasler präsentiert uns und dem Ermittlerduo Julius Pawalet und Rudolph Lischka eine Menge Fakten und schlägt sogar den Bogen zurück zum Kriminalfall aus »Das Sterben der Bilder«, ohne dabei den roten Faden zu verlieren. Die vielen Charaktere sind so unterschiedlich, dass es nicht schwerfällt, die Vielzahl der Figuren auseinanderzuhalten. Und ganz nebenbei erfahren wir viele interessante Details aus dem Alltag in Wien 1906, dass ich stellenweise das Gefühl hatte, selbst schon einmal dort gewesen zu sein, vor über 100 Jahren. Es sind allerdings nicht immer schöne Details. Die Autorin verurteilt nicht die Menschen, die aus Armut Dinge tun, die ihnen zuwider sind. Aber sie reißt der biederen Gesellschaft, dem Adel wie dem Bürgertum, die Maske vom Gesicht. Ganz nebenbei präsentiert sie uns die Stimmungen eines Wiener Sommers so realistisch, dass wir die lauen Winde oder die spannungsgeladene Luft vor dem Gewitter direkt zu spüren glauben. 

Sprachlich überzeugt das Buch ebenfalls. Die Sätze sind wohlformuliert, ohne gekünstelt zu wirken, so dass es eine Freude ist, den teilweise philosophisch anmutenden Gedanken der Protagonisten zu folgen. 

Auch wenn der Fall am Ende gelöst wird, so lässt das Ende der Geschichte auf eine Fortsetzung hoffen. 


Fazit: 5***** und Leseempfehlung auch für Nicht-Historien-Fans.

Das Buch ist bisher nur als E-Book im dotbooks Verlag erschienen, hat 382 Seiten und kostet 4,99 Euro. 


Donnerstag, 7. September 2017

"Aquila" von Ursula Poznanski

Das Buch beginnt mit einer sehr undurchsichtigen Ausgangslage: Nika erwacht in ihrem Bett in der WG in Sienna, sie vermisst Wohnungsschlüssel, Handy, ihren Pass, den Akku vom Notebook und ihre Mitbewohnerin Jenny. Dafür findet sie in der Wohnung ein blutiges Männer-T-Shirt und in ihrer Hosentasche eine rätselhafte Liste, auf der Notizen stehen wie Weihnachten voller Angst oder das Blut ist nicht deines. 

Ursula Poznanski versteht es, Spannung aufzubauen, den Leser in eine rätselhafte Sitiation mitzunehmen. Am Anfang war ich wie Nika in den Bann dieses Rätsels gezogen, wollte unbedingt weiterlesen. Was war passiert und warum kann sie sich an die letzten zwei Tage nicht mehr erinnern? Doch je mehr sich Nika auf die Suche nach der Lösung machte, um so unglaubwürdiger wurde sie für mich. Warum agiert sie als einsame Heldin, anstatt sich Hilfe zu holen? Dass sie ihre Mutter und den arroganten Stiefvater nicht belästigt, okay, sie gönnt der Mutter die Reise. Aber am Rande wird eine beste Freundin in Deutschland erwähnt, jedoch nicht ein einziges Telefonat mit ihr. Konsulat, Anwalt, selbst der nicht immer nüchterne Vater, das alles wären aus meiner Sicht Anlaufstellen für eine verängstigte 19-Jährige. 

Zunehmend gewann ich beim Lesen das Gefühl, die ganze Geschichte wurde um die ominöse Liste herum geschrieben und irgendwie passend gemacht. Mit Nika wurde ich nicht richtig warm, die Nebenfiguren wie Stefano oder der Skorpionmann blieben zwar eine Zeitlang interessant und sorgten für Spannung, aber spätestens bei der »logischen« Auflösung des Ganzen konnte ich nur noch den Kopf schütteln über deren Motive. Dass sich dann zum Schluss auch noch alle liebhatten, wurde es vollends unglaubwürdig. Ohne glaubwürdige Motive und Personen funktioniert eine Geschichte weder als Psychothriller noch als Jugendbuch. Schade, ich habe schon weit bessere Bücher von Ursula Poznanski gelesen.


Fazit: Unglaubwürdigkeit tötet Spannung. 3***

Das Taschenbuch ist im loewe Verlag erschienen, hat 432 Seiten und kostet 16,95 Euro. Das E-Book ist für 12,99 Euro erhältlich, das Hörbuch für 11,95 Euro.