In diesem Blog geht es ausschließlich um Literatur oder, einfacher gesagt, um Bücher. Ihr findet hier Buchempfehlungen, meine Rezensionen zu Büchern und e-Books, die ich gelesen habe, und Hinweise auf Downloads von e-Books. Da ein Blog durch Kommentare am Leben gehalten wird, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr diese Funktion fleißig nutzt.

Montag, 16. Januar 2017

"Vegan For Fit - Gipfelstürmer" von Attila Hildmann

»Vegan For Fit - Gipfelstürmer« heißt das neuste Buch von Attila Hildmann. Attila ist nahezu jedem bekannt, der sich für vegane Ernährung interessiert. Er hat am eigenen Körper getestet, was gesunde vegane Ernährung plus Sport bewirken können und sich vom schwer atmenden Moppelchen zu einem wohlproportionierten, gesunden Mann entwickelt. Attila verstand es außerdem, seine Erfahrungen in so motivierende Worte zu packen, dass kombiniert mit hübschen Bildern und leckeren Rezepten bereits mehrere Bücher daraus entstanden sind, die sich verkaufen wie geschnitten (veganes) Brot.
»Vegan For Fit - Gipfelstürmer« verspricht, dass jeder, der dieses Buch liest und seine Ratschläge befolgt, sich nach Attilas Rezepten ernährt und die nötige Zeit in leichten Sport investiert, innerhalb von 7 Tagen bis zu 4 Kilogramm abnehmen und gleichzeitig seinen Körper entgiften kann. Klingt super und nach einem verlockenden Einstieg in die Welt der verganen Ernährung, für alle, die es gern einmal probieren wollen. Sieben Tage ... das ist machbar, oder?
Mir gefällt die Aufmachung des Buches. Eine überschaubare Menge Text, theoretisches Wissen, ein Schritt-für-Schritt-Programm und jede Menge Rezepte für die sieben Tage, immer mit verschiedenen Alternativen und zusätzlichen leckeren Bausteinen, z.B. nach dem Sport. Zusätzlich zum Buch gibt es einen kostenlosen Rechner im Internet, wo jeder seinen persönlichen Bedarf an Nährstoffen ausrechnen und die Zutatenmengen der Rezepte entsprechend anpassen kann. Dabei werden Faktoren wie Körpergröße, Gewicht, Alter, Beruf und Bewegungsprofil berücksichtigt. Das finde ich praktisch und sinnvoll, auch wenn es im ersten Moment die Rezepte etwas verkompliziert. Sofort drauflos mixen oder kochen ist nicht, erst muss gerechnet werden. Aber immerhin lassen sich mit den errechneten werten Einkaufslisten online erstellen und ausdrucken.
Wobei das mit dem sofort Loslegen sowieso nicht ganz so einfach ist. Zumindest, wenn man die Rezepte ganz genau befolgen will. Herr Hildmann verkauft nämlich nicht nur Bücher, sondern betreibt auch einen »veganen Kaufmannsladen«, online natürlich. Und ebenso natürlich sind Produkte, die den Namen »Attila Hildmann« tragen, Basis dieses Detoxprogramms. Ohne »Attila Hildmann Macha Tee«, »Attila Hildmann Açaí-Fruchtpüree« und am besten noch »Attila Hildmann Bio Protein« geht nämlich gar nichts! Kann man glauben, muss man aber nicht. Zum Beispiel liebe ich mein original aus Japan mitgebrachtes Bio Mach Teepulver und sehe keinen Grund, es durch »Hildmann« zu ersetzen. Schwieriger wird es schon bei dem Açaí-Beeren-Pürree, das laut Buch beim »Biodealer meines Vertrauens« erhältlich ist. Ist es nicht, nicht im kleinen Bioladen und auch in keinem Biosupermarkt im Umkreis von mehr als 20 Kilometern. Das Wort »Biodealer« soll wahrscheinlich cool klingen, na ja ...
Am meisten stört mich an dem Buch aber etwas ganz Anderes: Jeder, der von heute auf morgen vom normalen Alles-Esser auf rein vegane Ernährung umstellt, wird Veränderungen bemerken. Besonders, wenn er dabei Bio-Obst und -Gemüse den Vorzug gibt vor industrieller »sieht-aus-wie-Fleisch-schmeckt-aber-nicht-so« Fertignahrung. Bei mir zeigten sich damals recht schnell Gewichtsabnahme, Energiezunahme, ein Hochgefühl, der unbändige Drang, mich zu bewegen. Ohne Hildmann-Buch oder -Produkte. Ich denke, so reagiert ein Körper, einfach auf die Ernährungsumstellung. Das bedeutet, es wird wahrscheinlich bei nahezu allen, für die »Vegan For Fit« der erste Versuch einer konsequent veganen Ernährung ist, ähnlich funktionieren. »Wow! Attilas Programm funktioniert.« Werden diese Leute sagen. Und weiter seine Produkte kaufen. Perfektes Marketing. Gekonnter Ritt auf einem aktuellen Trend, Herr Hildmann.
Fazit: Schönes Buch, aber nicht notwendig. Vegan funktioniert auch ohne »Hildmann« 2**
Das Hardcover ist im Becker Joest Volk Verlag erschienen, hat 160 Seiten und kostet 19,95 Euro. Das E-Book ist für 9,99 Euro erhältlich.

"Gemüseheilige" von Florentine Fritzen - Eine Geschichte des veganen Lebens

Die Autorin Florentine Fritzen hat eine erstaunliche Anzahl historischer Fakten zur Geschichte des Veganismus in Deutschland zusammengetragen. Dabei stützt sie sich größtenteils auf Dokumente, die von diesen »Gemüseheiligen«, Natur- oder Pflanzenköstlern selbst verfasst wurden. Angefangen von Reinhold Riedel, der in den 1890er Jahren beruflich viel unterwegs war und sich dabei fast ausschließlich von Obst, Trockenfrüchten, Brot und Nüssen ernährte, bis hin zum Veganismus der Gegenwart, den mittlerweile etwa 900.000 Deutsche leben. Fritzens Buch liest sich größtenteils spannend und bietet dem Leser viele Aha-Erlebnisse. Dass der Veganismus als höchste Stufe des Vegetarismus angesehen wird, ist nicht neu, auch wenn das Wort »vegan« erst 1944 in England erfunden wurde und Jahrzehnte später in Deutschland gebräuchlich wurde. Seit Riedels Zeiten scheint allerdings das Bekenntnis zu rein pflanzlicher Ernährung so etwas wie eine Glaubensfrage gewesen zu sein. Anfangs standen vor allem gesundheitliche Aspekte im Vordergrund, Kurkliniken auf Basis der »Sonnenlichtnahrung« schienen ein Allheilmittel gegen allerlei Krankheiten des zunehmenden Wohlstands zu sein. Doch bald kamen die ersten Stimmen auf, die Tötung und Ausbeutung der Tiere als Sünde ansahen. Veganismus wurde, bevor es das Wort gab, eine Art Ersatz- bzw. Zusatzreligion. Auch dunkle Kapitel des Veganismus werden im Buch angesprochen, wie bspw. der »Zwangsvegansimus« während der Zeit des 1. Weltkriegs, als tierische Lebensmittel knapp und nahezu unerreichbar waren. Oder die Gleichschaltung vegetarischer Vereine zur Zeit des Nationalsozialismus. Spätestens hier ploppt die Erkenntnis auf, dass Veganer oder Vegetarier nicht automatisch bessere Menschen sind. 
In der Gegenwart ist vegan für viele Menschen eine Art Lifestyle, eine Art der Abgrenzung von all den Normalen, man isst eben anders und fühlt sich dadurch besser. Egal, ob dabei ethische (Tierschutz) oder gesundheitliche Aspekte im Vordergrund stehen, die Industrie hat dies erkannt und nutzt den neuen Trend, um in allen Supermärkten mit »vegan« zu locken. Die Verkaufszahlen hübsch aufgemachter veganer Kochbücher sind so hoch, dass daran gemessen mittlerweile wohl ganz Deutschland vegan leben müsste. Um so aufschlussreicher ist Fritzens Rückblick auf die Geschichte der veganen Ernährung in Deutschland. Und vielleicht ist der Trend zu »wenigstens ein bisschen vegan« ein Versuch, an die ursprünglichen Ziele der ersten Gemüseheiligen anzuknüpfen, die davon träumten, die Welt zu verändern und zu verbessern. Dass es dazu keiner »wie-Fleisch-aussehenden« Ersatzprodukte bedarf, macht das Beispiel Reinhold Riedels deutlich. Und dass »vegan« nicht automatisch »gesund« bedeutet, wird spätestens beim Blick auf die Inhaltsstoffe der industriell hergestellten, veganen (Fertig-)Produkte deutlich. Auch die aktuelle Diskussion um vegane Ernährung von Kindern und Schwangeren oder das Vitamin B12 findet Platz in diesem Buch.
Mir hätte eine klarere historische Linie in diesem Buch gefallen. Für meinen Geschmack geht es vor allem in der ersten Hälfte des Buches immer wieder vor und zurück. Die aktuelle Entwicklung der letzen knapp zehn Jahren wird relativ kurz abgehandelt, als »Hype« dargestellt, ohne tiefer auf die Gründe einzugehen. Ist vegan wirklich nur eine Alternative zu »Low Carb« oder Intervallfasten? Oder ist es ein Versuch, in kleinen Schritten die Welt verbessern zu wollen, ganz in Tradition von Riedel, Skriver und Co?
Fazit: »Gemüseheilige« hilft, die Entstehung des Veganismus zu verstehen und hinterfragt gleichzeitig aktuelle Trends. 4****
Das Hardcover mit Schutzumschlag ist im Franz Steiner Verlag erschienen, hat 183 Seiten und kostet 21,90 Euro. Eine E-Book-Ausgabe ist (bis jetzt ) nicht erhältlich. 

Mittwoch, 4. Januar 2017

"Mein veganer Adventskalender" von Franzi Schädel

Advent vegan? Das klingt wahrscheinlich für alle Nicht-Veganer langweilig und nach ganz viel Verzicht. Dieses Buch von Franzi Schädel beweist das Gegenteil. Es vereint Rezepte für die Weihnachtsbäckerei, Wohlfühlgerichte für kalte Wintertage, Ideen für festliche Menüs und Anleitungen für verführerisch leckere Geschenke aus der Küche. 
Die Adventszeit 2016 war die Gelegenheit, mir diesen besonderen Adventskalender zu gönnen und einige der Rezepte zu testen. Allerdings darf man "Adventskalender" nicht wörtlich nehmen. Es gibt nicht für jeden Tag ein Rezept, sondern man kann die ganze Adventszeit und auch darüber hinaus in den Rezepten stöbern und ausprobieren, worauf man Appetit hat. Wir testeten als Erstes mehrere Sorten Plätzchen, die ausnahmslos gelangen und wunderbar  schmeckten. Die Zutatenlisten waren überschaubar, und alles ließ sich im Bioladen oder im ganz normalen Supermarkt mit Biosortiment besorgen. Wer vegan lebt, hat die Basics ja sowieso im Haus. Für alle Anderen ein schöner Grund, diese mal zu testen und erstaunt festzustellen - es geht sehr lecker auch völlig ohne tierische Zutaten! Von den anderen Rezepten probierten wir ebenfalls mehrere aus. Alles war lecker und schmeckte auch unseren Gästen. Das Buch wird uns weiterhin begleiten, nicht nur im Advent, denn einige der Rezepte haben das Zeug zu echten Lieblingsgerichten.

Einziger Kritikpunkt: Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Bei den getesteten Rezepten fiel uns mehrfach auf, dass die Zubereitung unnötig verkompliziert wurde. So zum Beispiel die gefüllten Süßkartoffeln. Wenn ich diese, wie im Rezept angegeben, erst NACH dem Garen fülle, leuchtet mir nicht ein, warum ich sie 1,5 Stunden im Backofen garen soll, anstatt sie 15 Minuten im Ganzen zu kochen. Ähnlich war es bei dem Plätzchenteig mit den gekühlten Zutaten, die dann weich (und warm) geknetet werden sollten. Ich bin der Meinung, hier kann man super vereinfachen, aber das muss jeder selbst entscheiden. Alles in allem sind die Rezepte aber keinesfalls kompliziert.

Die Gestaltung des Buches ist sehr gut gelungen. Zu Beginn gibt es eine kurze, sehr persönliche Einführung der Autorin. Eine hübsche Frau, die Sinnlichkeit und Lebensfreude ausstrahlt und so gar nicht dem Klischee des verzichtenden, verhärmten Veganers entspricht. Die Rezepte sind Schritt für Schritt beschrieben, Zutatenliste, Zeit- und Werkzeugbedarf und zu erwartende Menge (Stück, Portionen oder Gläser) genau aufgeführt. Dazu gibt es bei vielen Rezepten ganz kurze Anmerkungen der Autorin, z.B. über alternative Gewürze oder passende Deko. Jedes Rezept füllt mehr oder weniger eine Seite, ihm gegenüber verspricht ein zauberhaftes ganzseitiges Foto des fertigen Gerichts oder Backwerks kulinarischen Genuss. 

Das Buch beweist in beeindruckender und verführerischer Weise, dass vegane Küche sehr lecker und abwechslungsreich sein kann, und macht vielleicht auch Nicht-Veganern Mut, es einfach mal zu probieren.


Fazit: Ein wunderschönes, sehr empfehlenswertes Buch. 5*****

Das Hardcoverbuch ist im Kosmos Verlag erschienen, hat 96 Seiten und kostet 12,99 Euro. 




Die Zitronenkekse schmecken mindestens so lecker, wie sie aussehen. Die eingebackenen Kräuter lassen sich tatsächlich auch im Winter in unserem Garten finden. 

Montag, 2. Januar 2017

"Die Dackel sterben aus" von Dieter Hermann Schmitz

Selbstfindungsbücher gibt es viele. Von Menschen, die den Jakobsweg gewandert sind, ihre Ernährung umgestellt, ihre Lebensweise geändert oder ihre Haare gefärbt haben. Dass jemand übers Kasperltheater zu sich selbst findet, ist neu, aber sehr amüsant zu lesen in diesem Roman von Dieter Hermann Schmitz. Karl, der Held der Geschichte, ist Witwer, Lokalreporter und in allem, was er tut und kann, unauffälliges Mittelmaß. Als Karl krankheitsbedingt zu Hause bleiben muss, bittet seine Schwester ihn, ihre Kinder zu hüten. So kommt es, dass Karl die alten Kasperlpuppen wieder herauskramt. Die Begeisterung seiner »Niften« (Nichte + Neffe) motiviert ihn, ein richtiges Kasperltheater zu bauen, damit im Kindergarten, auf Kindergeburtstagen und selbst in der Seniorenresidenz seiner Mutter aufzutreten. Nebenbei kümmert Karl sich auch noch um seinen liebenswert schrulligen Nachbarn und dessen dickbäuchigen Dackel, die Schwester seines türkischen Kollegen und die »Bert-Bande« von hinterm Gartenzaun.  

Mir haben an diesem Buch besonders Karls Gedanken gefallen. Karl denkt viel nach, über Gott und die Welt, seinen wohlgeratenen Sohn Samuel, Frauen, Computer (»... dass ein jeder im Leben den Computer erhält, den er verdient«). Je mehr ich über Karl erfuhr, um so liebenswerter erschien er mir. So einem netten Kerl wünscht man als Leser einfach nur das Beste, aber irgendwie geht auch ab und zu mal was schief. Wie im wirklichen Leben eben. Dass immer wieder rheinische Mundart auftaucht, macht das Buch noch authentischer. Der Hammer aber sind die von Karl selbst erdachten Theaterstücke für seine Kasperlpuppen. Politisch herrlich inkorrekt und doch hochaktuell. Bei dem Stück in der Seniorenresidenz hab ich echt Tränen gelacht. 

Das Buch ist KEIN Dackelbuch, auch wenn ein Dackel mitspielt. Es ist eine Geschichte über einen liebenswerten Menschen, der aus dem gewohnten Alltagstrott ausbricht, tut, was ihm Spaß macht und damit viele andere Menschen glücklich macht. Ein Buch, das Mut macht, sich auf seine Träume und Talente zu besinnen und einfach mal etwas anders zu machen. Vielleicht sogar besser. Ein Buch, das glücklich macht, wenn man es liest. 


Fazit: Sehr unterthaltsam und empfehlenswert. 5*****

Das Taschenbuch hat 464 Seiten und kostet 9,99 Euro. Das E-Book ist für 2,49 Euro erhältlich.


Freitag, 23. Dezember 2016

"Wunder der Weihnacht" von Elisabeth Mittelstädt (Hrsg.)

Weihnachten ist mehr ...

... als Geschenke kaufen, Glühwein trinken, Plätzchenbackorgien und weihnachtlich ein durchgestyltes Zuhause. Das Buch "Wunder der Weihnacht" vereint wahre Geschichten einer Vielzahl christlicher Autoren. In fünf Kapiteln, geordnet nach Themen wie "Weihnachtswunder", "Schutzengel unterwegs" oder "Königliche Geschenke" erfahren wir, was andere Menschen um Weihnachten herum erlebt haben. Die Geschichten lassen uns zur Besinnung kommen, denn jede zeigt auf ihre Weise, worum es Weihnachten wirklich geht: Christi Geburt und Gottes Liebe zu den Menschen, die wir mit unseren Mitmenschen teilen dürfen. 

Viele der Geschichten erfüllten mich mit Dankbarkeit, weil sie mir auch bewusst werden ließen, wie gut es mir / uns doch geht. Wir sind nicht auf der Flucht, haben ein schönes Haus, liebe Menschen um uns herum. genug zu Essen ... Wenn die einzige "Sorge" ist, was ich Tante Erna zu Weihnachten schenken soll, und ob der Weihnachtsbraten gelingt, dann haben wir wirklich keinen Grund zum Klagen. Aber die Geschichten zeigen noch mehr. Selbst nach dem Verlust eines geliebten Menschen oder in anderen schwierigen, traurigen Lebenssituationen ist Weihnachten eine Zeit, die Hoffnung gibt. Und Teilen macht glücklich.

Das Buch trägt den Untertitel "Wahre Geschichten" und dadurch hat es meine Erwartungen nur teilweise erfüllt. Etwa ein Viertel oder mehr der vermeintlichen Geschichten sind fromme Gedanken, teils mit zahlreichen Verweisen auf Bibelstellen. Wer dies mag und sucht, wird daran seine Freude haben. Mir haben diese Seiten nicht so gefallen, darum ein Stern Abzug. 

Insgesamt ist "Wunder der Weihnacht" ein Buch, das sehr gut geeignet ist, echte Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Die Geschichten sind kurz bist ganz kurz (ca. 40 auf knapp 200 Seiten) und lassen sich gut in ein paar ruhigen Minuten lesen oder vorlesen. 


Fazit: Lesetipp für die Vorweihnachtszeit. 4****

"Wunder der Weihnacht" ist als Hardcover im Lydia Verlag (Gerti Medien) erschienen, hat 208 Seiten und kostet 12,99 Euro. Eine E-Book-Ausgasbe gibt es bisher nicht. 



Donnerstag, 22. Dezember 2016

"Dornröschen hatte es leichter" von Vanessa Mansini

Hermine ist 17, verliebt, steht kurz vor dem Abitur und malt sich ihr Leben mit Jan in wundervollen Farben aus. Gefühlt ein paar Tag später wacht sie im Krankenhaus auf, denn sie hatte einen Unfall mit ihrer Vespa. Was Hermine erst nach und nach bewusst wird: Es sind nicht nur einige Tage vergangen, sondern sie lag 20 Jahre im Koma! Nun erwacht sie als 37-jährige Frau, die von Internet und Smartphones keine Ahnung hat, ihre große Liebe ist mit ihrer ehemals besten Freundin verheiratet und ihre Mutter sieht aus wie ihre Oma. Ein sehr interessanter Ansatz, unsere heutige Welt mit den Augen einer 17-jährigen aus dem Jahr 1996 zu betrachten, denn innerlich ist Hermine noch der Teenager von damals mit all den Wünschen und Hoffnungen.

Aber genau an dieser Stelle wurde das Buch für mich ein bisschen unglaubwürdig. Hermine reagiert einfach viel zu cool. Zu Anfang will sie zwar nicht wahrhaben, was passiert ist, aber dann versucht sie ganz fix, das Beste daraus zu machen. Ernsthaft? Welches Mädchen von 17 würde mal eben mit den Schultern zucken 'Okay, bin ich halt 37 und muss sehen. wie ich klarkomm'? Für 17-jährige ist 37 uralt. Erst recht für weibliche 17-jährige. Jeder Blick in den Spiegel müsste Schreiattacken auslösen. Für Hermine gibt es nur zwei Ziele: 1. Weg von ihren Eltern, die sich 17 plus 20 Jahre lang um sie gekümmert haben und 2. Ein Mann zum Heiraten und Kinderkriegen muss her, da Jan diese Pläne ja bereits mit einer anderen verwirklicht hat. Dabei stolpert Hermine mit ihrer Teenie-Naivität in viele große und kleine Fettnäpfchen, findet sich mit Hilfe ihrer neuen Freundin Lucy aber erstaunlich schnell in der für sie neuen Welt zurecht. Plötzlich erweist sich ihr wahres Alter von 37 sogar als Vorteil, denn so kommt sie in die angesagten Berliner Clubs rein. Schön wär's ...

Priorität hat für Hermine eindeutig die Suche nach einem Mann. Alle anderen Ziele, die sie als "eben noch" 17-Jährige hatte (Reisen, Studium, toller Job) stellt sie hintenan. Hier fragte ich mich ernsthaft, ob das so ist, weil ein Mann das Buch geschrieben hat. Die im Chick-lit üblichen Verwicklungen kamen mit einer überschaubaren Anzahl an Personen aus, das empfand ich als angenehm. In der zweiten Hälfte des Buches bewegte sich die Handlung dicht an der Grenze zum Klamauk. Es tauchen immer wieder neue Tatsachen und Zusammenhänge auf, von denen Hermine bisher keine Ahnung hatte, um die Geschichte letztendlich doch zu einem guten Ende zu bringen.


Fazit: Sehr interessante Grundidee, aus der man mehr hätte machen können. Unterhaltsame Lektüre, aber kein bleibender Eindruck. 3***
Das Taschenbuch hat 364 Seiten und kostet 9,90 Euro. Das E-Book ist für 3,99 Euro erhältlich.


Montag, 12. Dezember 2016

"Schmerzflimmern" von Marc Kemper

Gregor ist Rettungssanitäter mit einer besonderen Gabe: Sobald er einen Menschen berührt, bleibt scheinbar für alle anderen die Zeit stehen, nur Gregor findet sich in der Zukunft wieder. Und zwar exakt zum Zeitpunkt des Sterbens dieses Menschen. Das klingt abgefahren und ist in der Praxis auch so. Man stelle sich nur vor, beim Sex mit jemandem ständig diese Bilder vor Augen zu haben ...

Das Buch beginnt mit Gregors Versuch, beim Speed-Dating eine passende Partnerin zu finden. Da die Damen dort recht offensiv vorgehen, dürfen wir mit ihm gleich mehrfach Zeugen ungewöhnlicher Tode werden. Viel schwarzer Humor und doch ist in diesem Buch noch mehr. Marc Kemper vermittelt eine leicht sarkastische Sicht auf das Sterben, das für jeden von uns unausweichlich ist. Richtig emotional wird es, als wir Gregor nahestehende Personen kennenlernen. Und all die Gedanken des Helden sind einfach herrlich, mitten aus dem Leben gegriffen, wunderbar formuliert und philosophisch angehaucht. Das Buch liest sich trotzdem oder genau deshalb mit einer verblüffenden Leichtigkeit. Gregor denkt, was irgendwo in unseren Köpfen auch umher spukt. Er tritt selbstsicher auf, hat immer einen coolen Spruch auf den Lippen und ist doch tief im Inneren voller Selbstzweifel. 

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Grundidee ist für mich wirklich neu und klasse beschrieben. Zwischen den Zeilen verbergen sich unzählige kleine Schätze: Zitate aus der Film- und Musikwelt, Gregors Sprüche und Gedanken, die ich mir teilweise wegen ihrer Treffsicherheit markiert habe, eine kunstvolle Verknüpfung von Personen und Handlungssträngen zu EINER Handlung und nicht zuletzt ein Ende, das glücklich macht, ohne kitschig zu wirken. 
Bei Marc Kempers Toden ist es wie im Leben: Nicht immer geht es gerecht zu, aber manchmal passiert den richtigen Leuten genau das, was sie verdient haben. Und für die Meisten von uns scheint es immer noch eine Chance zu geben, selbst aktiv zu werden, und alles zum Guten zu wenden. So kann ein schwarzhumoriges Buch mit vielen Toden sehr wohl Lust auf das Leben machen. 


Fazit: Genial! Absolute Leseempfehlung. 5*****

Das Taschenbuch hat 176 Seiten und kostet 9,99 Euro. Das E-Book ist für 6,99 Euro erhältlich.